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Vollröhre... Test: ART DSP II Mikropreamp mit ADAT-Interface

Autor: Daniel Remmel

Der DSP II von ART ist ein Mikro-Preamp der oberen Mittelklasse. Für wenig Geld bietet er eine Zweikanal Mikrofon-Röhren-Vorstufe mit großem Funktionsumfang.



Optisch macht er einiges her. Im tiefen Blau der Frontplatte sind die Bedienelemente symmetrisch um die V-förmigen Lüftungsschlitze des edlen Kerns der Elektronen-Röhre angeordnet, die zentral in hellem rot-orange vor sich hinglüht.

Bedienung:
Die optisch ansprechende Anordnung der Elemente kostet aber ihren Preis: Symmetrische Potentiometer mögen zwar - was das Aussehen angeht - ihren Reiz haben, die Bedienung erleichtern tun sie jedoch leider nicht gerade. Im manchmal hektischen Studiobetrieb (von Live gar nicht zu sprechen) könnte dies schnell eher nervig werden, gerade wenn man mit beiden Kanälen arbeitet - hier nicht daneben zu greifen ist schon fast eine Kunst. Insbesondere die beiden Potis [i]Gain[/i] und [i]Output[/i] sind hier die Favoriten, zumal deren akkustische Wirkung sehr ähnlich ist.
Ein weiteres kleines Manko ist, dass der Impedanz-Poti leider (wohl wegen der Beschriftung der Frontplatte) winkelverkehrt eingebaut worden ist. So muss man zwar trotzdem noch im Uhrzeiger-Sinn drehen um die Impedanz zu erhöhen, allerdings hat diese Tatsache im Test oft für ein wenig Verwirrung gesorgt.
Bis auf diese Kleinigkeit ist die Handhabung allerdings sehr gut durchdacht und einfach verständlich. Jeder Kanal hat wie gesagt einen Gain, einen Output- sowie einen Input (Eingangs-Impedanz) Poti, sowie einen auf den ersten Blick mysteriös erscheinenden Drehregler mit dem man verschiedene digitale Presets umstellen kann. Bei letzterem ist die Beschriftung leider wiederum etwas verwirrend angebracht. Über eine LED-Kette und eine Peaknadel lassen sich sowohl der Eingangspegel als auch der Gain verzerrungsfrei (oder eben nicht verzerrungsfrei, so man dies wünscht) einstellen. Über drei Rastschalter unter der Aussteuerungsanzeige lassen sich die Phasenlage, Phantomspeisung (48 Volt) und eine Gainanhebung um 20dB aktivieren.
Die ADAT-Sektion besteht aus jeweils einem Poti, einer Clip-LED für die beiden Kanäle und zwei Tastern, mit denen man zum einen die Samplerate selektieren und zum anderen die beiden Kanäle paarweise auf zwei ADAT-Kanäle bzw. den SPDIF-Ausgang rooten kann.

Die Verbindung zur Außenwelt ist auch recht üppig ausgefallen. Jeder Kanal hat auf der Rückseite einen symmetischen (XLR) sowie einen unsymmetrischen (Klinke) Aus- und Eingang. Hier hat ART allerdings unsinniger Weise auf die symmetrische Belegung verzichtet, was die Verwirrung dann komplettiert. Schön ist hingegen ein zusätzlicher Prefader-Insert für jeden Kanal (Stereo-klinke) um externe Effekte einzuschleifen und auch die digitale Sektion kann sich sehen lassen: Einen Coax-Eingang für eine externe Sampling-Rate, zwei optische Ports (IN/OUT) sowie einen SPDIF- Ausgang (Cinch).
Zusätzlich sind die beiden symmetrischen Eingänge auch noch auf die Frontseite durchgeschliffen, wo sie als Combi-Buchsen (XLR/Klinke) ausgelegt sind.

Allgemein macht das Gerät einen sehr robusten Eindruck. ART scheint hier nicht nur Studio-Anwender als Zielgruppe zu sehen. Das Gehäuse ist stabil, die Potis machen zumindestens nach der kurzen Testphase einen guten Eindruck und auch die Buchsen scheinen einiges verkraften zu können. Zudem ist das ganze obendrein auch noch recht hübsch anzusehen, besonders wenn man es einschaltet und die Röhre besser zur Geltung kommt...

Variable Valve Voicing Control
Die Abkürzung V3 bzw. VVV steht für Variable Valve Voicing. Das beinhaltet einen (wahrscheinlich digitalen) Prozessor der es dem User erlaubt, vordefinierte Sound-Presets zu benutzen, die jeweils bestimmten Aufnahme-Situationen entsprechen sollen. Dies beeinflusst nicht nur den reinen Frequenzgang des Signales sondern auch Gain und vor allem die Sättigung der Röhre. Die Presets sind in vier Bereiche gegliedert: die [i]Warm[/i] und die [i]Neutral[/i] Einstellungen, die sich zum Teil jeweils nochmals mit dem Ausgangs-Limiter (OPL) kombinieren lassen. Mit der Einstellung [i]Neutral-Flat[/i] kann man das V3-System komplett umgehen und auf Bypass stellen.

Folgende Presets sind mit der V3-Schaltung möglich:
[i]Neutral Flat
Neutral Vocal
Neutral Guitar
Neutral Bass Guitar

Warm Electronic Keyboard
Warm Electric Guitar
Warm Vocal
Warm Valve

Warm OPL Multiple Applications
Warm OPL Vocal
Warm OPL Acoustic Guitar
Warm OPL Piano

Neutral OPL Bass Guitar
Neutral OPL Acoustic Guitar
Neutral OPL Percussions
Neutral OPL Limit[/i]

Schade ist jedoch wie gesagt die relativ schwer zu durchschauende Beschriftung, die man letztlich erst nach Lesen des Handbuches richtig versteht.

Sound
Durch die V3-Schaltung hat der ART DPS 2 einen nicht zu unterschätzenden Vorteil, er liefert mit einem schnellen Griff erstaunlich gute Ergebnisse, die den verheißungsvollen Bezeichnungen der Presets fast immer gerecht werden. Während die "Neutral"-Setting, tja... eben "neutral" klingen, spielt der DPS mit den "Warm"-Presets erst seine richtigen Stärken aus. Hier hört man deutlich den typischen, warmen Röhrensound mit kräftigen Mitten und Tiefen. Auch lassen sich hiermit herrlich angezerrte Sounds kreieren. Natürlich ist man nicht an die vorgegebenen Verwendungszwecke gebunden. So kann man z.B. gerade mit den Guitar-Einstellungen wunderbare Hammondsounds zaubern, die wir Euch natürlich als kleines Beispiel auch nicht vorenthalten wollen:

Orgel mit "Neutral Flat" Preset
Orgel mit "OPL-A-Guitar" Preset

Ansonsten klingen die verschiedenen Presets alle hervorragend und machen den DPS II zu einem ausgezeichneten Werkzeug für Einsteiger und Semi-Profis.

Hart am Limit
Die OPL (Output Protection Limiting) Presets sind ein besonderes Schmankerl des Preamps. Hier wird das Ausgangs-Signal nochmal durch einen Limiter gejagt. Das bietet gerade in Zusammenhang mit den V3-Presets den großen Vorteil, dass man hier relativ experimentierfreudig mit dem Gainregler hantieren kann, ohne sich Sorgen machen zu müssen, dass man dabei die nächste Vorstufe ins Nirvana schickt. Die Limitierung ist deutlich hörbar, ohne dass das Signal zu sehr in die Knie gezwungen wird. Sehr schade ist allerdings, dass es nicht möglich ist, die beiden Limiter zu koppeln. Das zieht den Nachteil mit sich, dass beide Kanäle unabhängig voneinander die Dynamik des Signals ändern und man so ein teilweise unsauberes Stereo-Signal in Kauf nehmen muss.

Handbuch
Die Bedienungsanleitung ist zwar englisch, bietet aber kurze und leicht verständliche Hilfe für Neueinsteiger (so man denn der englischen Sprache mächtig ist). Gerade die Preset-Liste für V3 ist mitunter sehr hilfreich.

Weitere Technische Daten
Größe: 1HE x 19" x 16,5cm
Gewicht: ca 2,5 kg
Maximaler Ausgangspegel (XLR): 28dBu
Dynamik: 100dB
Klirrfaktor neutral: 0,01%
Klirrfaktor warm: 0,1%
Frequenzgang: 5Hz..50KHz



Fazit:
Den ART DPS 2 "nur" als Mikro-Preamp zu bezeichnen, würde dem sehr gelungenem Konzept nicht gerecht werden. Mit einer unverbindlichen Preisempfehglung von 439 Euro liegt der DPS II ganz klar im unteren Preissegment, bietet aber trotzdem professionelle Features, die es gerade Einsteigern sehr leicht machen, schnell zu guten Ergebnissen zu kommen. Dies wurde nicht zuletzt durch die gut durchdachte V3-Technologie erreicht.
Mit den integrierten digitalen Schnittstellen ist man auch für die Zukunft gerüstet, ohne jedoch auf einen "echten" Röhrensound verzichten zu müssen.
Einziges Manko ist die wenig intuitive Bedienung durch die symmetrisch angeordneten Bedienelemente, sowie die nicht verlinkbaren Limiter, dafür schaut der Preamp aber gut aus...
Ansonsten kann man diesen Amp gerade für semiprofessionelle Anwendungen ohne Einschränkungen wärmstens empfehlen - im wahrsten Sinne des Wortes...

Bewertung: ART DPS II Mikro-Preamp
Preis/Leistung:08/10 Funktion:09/10 Sound:09/10 Bedienung:06/10 Konzept:10/10 Gesamt:08/10 - flexible Sound-Möglichkeiten
- Limiterfunktion
- Anschlüsse
- Digitale Schnittstellen (inkl ADAT)
-Umständliche Bedienung durch symmetrische Anordnung der Bedienelemente
- Keine Linkfunktion der Limiter
- englisches Handbuch
Hersteller:ARTVertrieb:Soundservice BerlinUVP:439 €
Straßenpreisca 380 €




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