Battery? Was ist das denn?
Battery ist erstmal nichts anderes als ein normaler Software-Sampler - oder vielmehr ein Sampleplayer. Der Unterschlied liegt allerdings darin, dass sich Battery auf Schlagzeug und Drum- sowie Oneshot Samples spezialisiert hat. Das Plugin als normalen (günstigen) Sampler zu mißbrauchen würde gnadenlos scheitern.
Dank der vielen Importformate für Drumkits (LM4, LoopAZoid, Soundfonts,AKAI) sollte man auch für den Anfang keine Probleme haben, an gutes Material zu kommen. Ob sich das Battery-Format (*.kit) in Zukunft durchsetzen wird, bleibt allerdings abzuwarten, bei dem bisherigen Erfolg von NI, würde es aber nicht verwundern.
Handbuch und Installation
Wie immer bei Native Instruments verläuft die Installation reibungslos. Lästig bleibt nur die neuerdings eingeführte Zwangsregistrierung, wofür zwei Punkte in der Bedienung abgezogen haben. Ein Dongle ist zwar schon sehr lästig, aber sowas muss nicht sein...
Das Handbuch ist vorbildlich. Kurz und prägnant sind alle wichtigen Funktionen erklärt. Viel dazu zu sagen gibt es nicht (Heutzutage sind gedruckte Handbücher ja schon fast ein Luxusgut!).
Bedienung und Oberfläche
Auf den ersten Blick wirkt die Oberfläche von Battery etwas unübersichtlich für einen einfachen Sampleplayer - das täuscht allerdings. Die einzelnen Sektionen sind klar und eindeutig strukturiert und bieten eine Menge Eingriffsmöglichkeiten in die Sounds.
Im Hauptfenster fällt hauptsächlich die große 9x6 Matrix auf, die an alte Drum-Machines à la TR X0X erinnert. Auf jedes dieser Felder lässt sich ein einzelner Schlagzeug-Sound legen und mit individuellen Einstellungen versehen. Jeder Sound lässt sich natürlich aus mehreren Samples zusammensetzen, denen man verschiedene Velocity-Werte zuordnen kann, um realistische Schlagzeug-Sounds von akustischen Sets zu erzeugen.
Die Oberfläche ist in einzelne Sektionen eingeteilt. Über den "Cell"-Bereich können alltgemeine Einstellungen gemacht werden, die sich auf alle Samples eines Pads beziehen (Tonhöhe, Note/Taste, MIDI-Kanel etc.). Über die "Layer"-Sektion kann man wie bereits erwähnt den einzelnen Samples eines Pads mehrere verschiedene Velocity-Werte zuordnen. Die WAV-Files lassen sich zwar sehr bequem per Drag & Drop in das Fenster ziehen, die Festlegung der Grenzen ist allerdings etwas umständlich. Im schon etwas angegrauten LM4 MkII von Steinberg ist das etwas angenehmer und (grafisch) intuitiver gelöst.
Wirklich interessant sind aber erst die Bereiche "Modulation", "Envelope", "FX-Loop" sowie "Tune/Shape/Bits/Start". Hiermit kann man nämlich extrem in den Klang eingreifen und aus ein paar langweiligen Samples spacige und moderne Electronic-Drumkits zaubern. Aber fangen wir mit dem Modulation-Bereich an: In Battery können JEDEM Pad bis zu sechs verschiedene Modulationen zugeordnet werden, wobei jeweils eine Fülle von Modulationsquellen auswählbar sind. Als Ziel lassen sich quasi alle Parameter auf der Battery-Oberfläche auswählen - eine bunte Spielwiese für Soundbastler. Wem das zu viel Aufwand ist, der findet hier einige praktische Presets mit den gängigsten Modulationen.
Desweiteren existiert ein Bitshifter mit dem man wunderbare Retrosounds erzeugen kann, ein Tuningregler, ein Startbutton mit dem man den Anfang des Samples wegschneiden kann und ein Shape-Regler, der eine Mischung aus Kompressor und Expander darstellt.
Was ich persönlich sehr angenehm finde ist das grafische Envelope-Fenster, das man zwischen Pitch und Volume Evelope-Kurve umschalten kann. Hiermit kann man wunderbar spacige Elektro-Sounds erzeugen aber auch akustische Samples mit dem letzten Kick versehen (das ganze lässt sich ja wie gesagt auch modulieren).
Über die Out-Sektion kann man Panning, Lautstärke sowie einen VST-Kanal festlegen auf welchem die Sounds eines Pads ausgegeben werden können. Die Mastersektion enthält Dateioptionen, Masterfader sowie einen Button für Einstellungen.
Alles in allem ist die Oberfläche von Battery sehr logisch strukturiert. Trotz der sehr klein wirkenden Buttons und Regler kommt man erstaunlich schnell damit zurecht und wer schonmal mit einem anderen PlugIn von Native Instruments gearbeitet hat, sollte mit Battery sowieso keine Probleme haben.
Preset-Kits
Die beiligenden Sounds sind... nunja... wie bei den meisten Samplern eher durchwachsen... Dafür bekommt man aber auch quer Beet für die wichtigsten Musikstile ein Drumset mitgeliefert. Es sind ein paar nette Kits aus dem Elektrobereich dabei. Die akustischen Sets fand ich persönlich aber eher enttäuschend: Sie klingen dünn und kraftlos und haben nur wenig Layer. Die Zielgruppe von Battery liegt jedoch im Bereich von Preset-Usern, weswegen wir die beiligenden Kits auch nicht in die Bewertung mit haben einfließen lassen.
Sound
Zum Sound von Battery selber ist wegen des Sampler-Charakters nicht viel zu sagen. Filter und Modulationen klingen alle durchweg brauchbar, auch der Bitcrusher ist hier ein nettes Feature. Auch die Shape-Funktione (Kompressor und Expander) ist recht okay - hier greife ich persönlich aber lieber auf externe Plugins zurück.
Fazit
Battery kann auf der ganzen Linie überzeugen und die Konkurrenz von Steinberg darf sich warm anziehen (bleibt noch abzuwarten was dieser Virtual Drummer von Steinberg bringen wird). Native Instruments bietet hier sowohl für Soundbastler als auch für Nutzer reiner Sample-Libraries ein PlugIn der absoluten Spitzenklasse. Letztere sollten allerdings keine allzugroßen Erwartungen auf die beigelegten Presets haben und lieber auf externes Material zurückgreifen.
Ansonsten ist Battery eines der wenigen PlugIns, die kaum noch Wünsche offen lassen.