Der Vokator ist der neueste Streich der Software-Schmiede
Native Instruments aus Berlin. Nachdem die Firma durch ihre Pionierarbeit im Sektor der virtuellen Instrumente bekannt wurde (bestes Beispiel ist die
B4, ein digitaler Clone einer Hammond B3), hat sie sich in den letzten Jahren in der Recording-Szene einen Namen gemacht.
FunktionsweiseDer Vokator basiert auf der [lexikon=fast-fourier-transformation]Fast Fourier Transformation (FFT)[/lexikon], die ein Signal in Echtzeit in bis zu 1024 unterschiedliche Frequenzbänder zerlegen kann. Dadurch sprengt er die Möglichkeiten eines normalen Vocoders bei weitem.
Zwei Eingänge
A und
B lassen sich beliebig mit unterschiedlichen Klangerzeugern belegen: Neben einem Livesignal (bzw. der Audiospur eines Sequenzers) lässt sich wahlweise ein einfacher Waveplayer, ein Granular-Sampler oder ein vollständiger Synthesizer mit zwei Oszillatoren nutzen. Über vier Wahlschalter lassen sich die beiden Eingänge noch auf verschiedene Art und Weise verschalten (Mix, A*B, B*A, A+B).
Der SynthesizerDer Synthesizer des Vokators besteht aus zwei Oszillatoren mit je vier Wellenformen: Sinus, Rechteck, Dreieck und Rauschen. Neben den Oszillatoren befindet sich eine Sektion mit Hüllkurve und Filter: Cutoff, Resonanz, Flanke und Typ (Hochpass/Tiefpass/Bandpass).
Die Parameter wie Symmetrie, Tune, FM sowie
Filter und Hüllkurve lassen sich alle stufenlos umstellen, was sehr interessante, neue Soundmöglichkeiten eröffnet.
Alle obigen Parameter sind graphisch (ja ich weiss, ich schreib's noch mit p-h) dargestellt und ändern sich den Einstellungen entsprechend in Echtzeit.
Beide Oszillatoren lassen sich ringmodulieren. Zudem kann man den zweiten Oszillator durch den ersten frequnzmodulieren.
Um den Sysnthesizer (und auch den Sampler) anzuspielen, steht ein kleines Bildschirm-Keyboard zur Verfügung
Der SamplerAlternativ zu den beiden Oszillatoren kann für den Synthesizer auch ein Wave- oder AIF-File als Soundquelle dienen. Sowohl Geschwindigkeit als auch Tonhöhe, lassen sich unabhängig von einander ändern - und das auch bei größeren Änderungen mit ausgezeichneter Qualität.
Abspielrichtung, Start- bzw. Endpunkt eines Files lassen sich frei wählen. Auch wenn der Vokator einen separaten Sampler nicht ersetzen kann, ist der Funktionsumfang der internen Samplingfunktion doch recht beachtlich. Native Instruments liefert zudem eine ziemlich große Auswahl an Samples aus allen erdenklichen Bereichen (von Sprache bis hin zu Drumloops) mit denen man schon eine ganze Menge anstellen kann.
Hier kann man sehr interessante neue Soundkreationen erstellen. Nimmt man anders wie beim klassischen Vocoder beispielsweise statt der Stimme einfach einen Drumloop, den man über ein Synthesizer moduliert, lassen sich sehr interessante Sounds erzeugen.
Hier ein Beispiel:Syntieloop (mp3, 139 kB)
Morph 'emEine der interessantesten Funktionen des Vokators ist das sogenannte Parameter-Morphing. Es erlaubt, alle Einstellungen von Synthesizer bzw. Sampler (zB. Filter, Oszillatoren oder Wiedergabetempo beim Sampler) stufenlos ineinander überzublenden. Hiermit lassen sich sehr interessante Effekte erzeugen (und nebenbei ist das ganze auch noch nett anzusehen :-).
Es lassen hier pro Preset fünf verschiedene Einstellungen speichern, welche alle in einem Zug durch-"gemorpht" werden können. Dankenswerterweise hat NI die Morphing-Funktion auf den Modulation-Slider der MIDISchnittstelle gelegt. Hierüber kann man wesentlich differenzierter arbeiten als mit der Maus. Außerdem lässt sich das Morphing so auch im Live-Betrieb einfach umsetzen. Sowohl Sampler als auch Synthie besitzen zusätzlich außerdem noch einen Chorus und einen LFO.
EffekteJeder der beiden Eingänge des Vokators hat auch eine kleine, aber mächtige Effektsektion. Diese besteht jeweils nochmals aus einem tempo-synchronisierbaren Delay, einem Kompressor und einem frei definierten spektralen Effekt.
Diese sind weniger Standard-Effekte sondern eher Kandidaten der etwas "anderen" Art, bekannt auch von dem Spektral-Delay aus der gleichen Serie. Die Wirkung der Effekte lässt sich hier schlecht beschreiben, da es sich wie gesagt nicht um Standard-Effekte handelt (Rotieren von Frequenzbändern, Metallisierung, extrem steilflankige Filter uvm). Sie sind in jedem Fall aber alle ziemlich
spacy.
Erwähnenswert ist in dem Zusammenhang sicherlich auch noch der Ausgangs-EQ, der sich in dem Spektralfenster, in welchem der Ausgangspegel angezeigt wird, über eine Bezier-Filterkurve mit beliebig vielen Punkten (zumindestens konnten wir keine Obergrenze feststellen) sehr genau einstellen lässt. Man ist sogar versucht, den Vokator als reinen EQ zu mißbrauchen.
ModulationZusätzlich zu den LFOs des Samplers/Synthesizers gibt es noch weitere vier unabhänige LFOs: einen Stepsequqenzer, einen Envelope-Follower und einen Voiced/Unvoiced Detektor, die sich alle als Modulationsquellen für beliebige Parameter auswählen lassen.
VocoderAch ja, einen klassischen Vocoder kann man mit dem Vokator natürlich auch emulieren. Dies geschieht über den sogenannten Group-Modus. Hier wird die Auflösung verringert, indem die maximal 1024 Frequenzbänder zu 4er, 8er, 10er, 20er, 24er oder 32er Gruppen variierbarer Größe zusammengefasst werden. Die Gruppenzuordnung lässt sich Userseitig auch individuell verändern.
Hier ein klassischer Vocoder-Sound der mit dem Vokator realisiert wurde:
Vocoder (mp3, 137 kB)
BedienungDie Installation erweist sich als sehr einfach. Praktisch ist hier, dass es auch möglich ist, den Vokator mit nur einer Installation in mehreren unterschiedlichen PlugIn-Verzeichnissen einzurichten; arbeitet man mit mehreren Sequenzern spart dies eine Menge Arbeit.
Der Vokator installiert sich in drei Versionen: Stand-Alone, als VST-Effekt und als VST-Audio-Instrument. Als Audio-Instrument gibt es keine Probleme - wohingegen sich die Verschaltung als Effekt etwas komplizierter gestaltet. Da das Programm zwei Quellen als Eingang benötigt, muss man in diesem Fall über den Bus bzw. den Gruppenmixer gehen. Dies wird im Handbuch aber recht eindeutig erklärt.
Ein großes Manko ist das Fehlen jeglicher Aufnahmefunktion in der Stand-Alone-Version. Die Aufzeichnung mit nur einer Soundkarte kann hier zum ziemlichen Spagat werden.
Die Oberfläche sieht sehr modern aus, was leider zur Folge hat, dass die Bedienelemente bei hohen Windowsauflösungen teilweise sehr schwer zu erkennen sind. Ansonsten ist die Bedienung aber einfach und problemlos. Die verschiedenen Sektionen (Input A, FX, Synth etc.) lassen sich modular ein- und ausblenden, so dass nur die aktuell benötigten Parts angezeigt werden.
Ansonsten wird relativ wenig mit Untermenüs gearbeitet. Einzig die Modulationsziele für die LFOs lassen sich über Rechtsklick (Mac: CTRL-Klick) auf die entsprechenden Elemente per Submenü auswählen.
So ziemlich alles, was man drehen, einstellen und editiern kann, wird in irgendeiner Form graphisch angezeigt. So bekommt man eher einen Eindruck davon, was man wirklich verstellt, als bei einem "blinden" Regler. Dies wird es gerade Einsteigern sehr leicht machen, auch zu verstehen wie sich ein Regler auf das Signal auswirkt.
Probleme gab es bei der Benutzung im Sequenzer (Logic 5). Hier scheint der Vokator die Note-Off-Anweisungen nicht richtig zu interpretieren. Betätigt man
Stop in einer laufenden MIDI-Spur, hört zwar die Audioausgabe auf, dudelt aber munter den angefangenen Accord weiter, sobald man die Wiedergabe an anderer Stelle erneut startet.
HandbuchDas viersprachige Handbuch ist knapp, aber trotzdem einfach und klar formuliert. Man findet hier eigentlich recht schnell die Informationen, die man benötigt (auch wenn NI sich bei dem Inhaltsverzeichnis etwas mehr Mühe hätte geben können).
FazitDen Vokator
nur als Vocoder zu bezeichnen, würde dem Konzept lange nicht gerecht werden. Das Konzept ist von Grund auf sehr gut durchdacht und macht einen sehr "kompletten" Eindruck. Die Bedienung ist sehr einfach und intuitiv. Man kann sofort loslegen, ohne ein halbes Studium als Toningenieur absolviert haben zu müssen. Das Wegschalten der nicht benötigten Parts erleichtert die Arbeit (gerade Anfängern) enorm.
Dank der sehr umfangreichen Library an Samples und Preset-Sounds kann man auch ohne Mikro und Live-Eingang eine ganze Menge mit dem Vokator machen. Das Programm macht von der ersten Minute an Spaß. Man vermisst keine Funktion, da von Effekten über Dynamikbearbeitung bis hin zu Synthesizer und Sampler alles integriert ist, was man sich denken kann.
Sehr erfreulich ist, dass der Vokator (abgesehen von der teilweise schlecht lesbaren Schrift) livetauglich ist. So gut wie jeder Parameter lässt sich automatisieren. Mit Schnittstellen ist er reichlich ausgestattet und sogar ProTools-User wurden nicht außen vor gelassen (RTAS für alle Plattformen).
Einziger Wermutstropfen bleibt die fehlende Aufnahmefunktion der Stand-Alone-Variante. Bleibt zu hoffen, dass diese evtl. in späterem Updaten integriert wird.
Bewertung: Native Instruments Vokator
Preis/Leistung:10/10 Funktion:09/10 Bedienung:09/10
Konzept:10/10 Gesamt:09/10 - Sehr umfangreiche Funktionen
- viele Werksounds und Samples
- Spaßfaktor- Keine Aufnahme-Funktion bei Stand-Alone-Version
- Anzeige etwas klein geraten
- Probleme bei Note-Off im Sequenzerbetrieb
Herrsteller:
Native Instruments, BerlinUVP:289 €
Straßenpreisca 260 €