Das Konzept ist eigentlich nicht neu. So ist Groove Agent 2 eigentlich kein typischer Drum-Sampler, sondern eher eine Art Begleitautomatik für Rythmus ähnlich einem Drumcomputer - allerdings mit einem extrem breiten Spektrum an Musikstilen und Drumsets.
Installation und Handbuch
Die Installation läuft - wie von Steinberg gewöhnt - schnell und unkompliziert ab und auch das Handbuch sei positiv erwähnt - es ist ja leider nicht mehr selbstverständlich, dass man sowas überhaupt noch in Papierform vorliegen hat. Einziger Wehrmutstropfen ist das recht nervige Synchrosoft zur Aktivierung. Dazu kommt noch, dass Steinberg in letzter Zeit die schlechte Angewohnheit etabliert hat, den kleineren Plugins keine USB-Schlüssel mehr beizulegen. Für Besitzer von Cubase oder ähnlichem ist dies zwar kein Problem, da man die Lizenzen via Syncrosoft bequem alle auf einem Schlüssel verwalten kann - für Neueinsteiger ist es allerdings unter Umständen durchaus ärgerlich, kostet der Schlüssel doch immerhin nochmals fast 20 Euro.
Erstaunt waren wir darüber, dass der Grooveagent mit deutlich unter 300 MB Festplatten-Space zurechtkam. Später ergab sich, dass dementsprechend natürlich auch Speicherverbrauch und Performance sehr gut waren.
Die Bedienung
Die Bedienung des Groove Agent 2 ist mehr als einfach. Das Hauptmerkmal sind zwei große Doppelslider. Der eine stellt einen Zeitstrahl durch die Musikgeschichte dar und mit dem anderen lässt sich die Komplexität einstellen.
Der Zeitstrahl fängt 1950 mit klassischen Stilen wie Swing, Samba, Cha-Cha oder Rumba an, geht über die 80er mi Breakbeat, LA-Shuffle oder Westcoat und endet zeitgenössisch mit modernen Stilen wie Hip-Hop, Tribal-Techno oder Nu RnB. Dabei ist jeder Zeitepoche ein bestimmter Beat und ein passendes Drumset zugeordnet. So ist vom alten angestaubten Jazzkit über moderne Studiodrums bis hin zum modernen knalligen Hip-Hop-Kit aus der Drum-Machine eigentlich alles dabei, was das Musiker-Herz begehrt. Insgesamt sind es über 50 verschiedene Styles, die man hier auswählen kann. Das ist jedoch durchaus noch nicht alles. Mit dem zweiten großen Slider wählt man verschiedene Sub-Patterns aus, die sich von links nach rechts in ihrer Komplexität steigern. So bekommt man nahe am Linksanschlag eher leichte Kost mit dezentem Hihat und etwas Shaker und erhält ganz rechts die volle Breitseite mit dem kompletten Drumset und teilweise noch zusätzlicher Percussion. Zu jedem Sub-Pattern gehört auch ein entsprechendes Fill, welches von Hand über einen entsprechende Button ausgelöst, oder wahlweise alle 4 Tage gespielt werden kann.
Wie schon erwähnt handelt es sich um Doppel-Slider. Diese lassen sich nämlich auftrennen, indem man den "Link"-Button deaktiviert - und hier fängt der Groove-Agent an, seine Stärken auszuspielen: So kann man nämlich beim ersten Slider Epoche und Drumset und beim zweiten Slider Subpattern und Fillpattern voneinander trennen. Schonmal getestet, wie sich ein moderner Drum & Bass Pattern auf einem alten Jazzkit anhört, oder eine LA-Ballade mit einem Hip-Hop Drumset?? Allein durch diese beiden Regler ergeben sich tausende von Möglichkeiten, neue kreative Drum-Beats zu erschaffen. Dankenswerterweise lassen sich die Pattern nicht nur über die Slider, sondern auch bequem über ein Auswahlmenü im "Display" auswählen.
Unter den Slidern befinden sich diverse Buttons um weitere Details zu steuern. So kann zum Beispiel ausgewählt werden, ob der virtuelle Drummer die Snare normal, oder als Sidestick spielen soll. Auch existiert hier ein Button, mit dem man den virtuellem Schlagzeuger dazu bringen kann, den Style als Halfbeat zu spielen.
Weiter unten findet man vier große (virtuelle) Potis:
- "Shuffle" ist eigentlich selbsterklärend und regelt, wie straight (oder eben geshuffled) der Groove gespielt wird
- "Humanize" macht den Beat natürlicher, indem die einzelnen Noten nicht immer exakt auf den Punkt, sondern knapp daneben gespielt werden
- "Limiter" regelt die Dynamik-Section mit der man z.B. der Bassdrum etwas mehr Punch verleihen kann. Die Bezeichnung ist allerdings etwas verwirrend, denn es ensteht hier der Eindruck, dass durchaus auch ein Kompressor mit im Spiel ist
- mit "Ambience" kann man den Raumanteil einstellen. Da Steinberg bei der Aufnahme der Samples mehrere Raummikrofone verwendet hat, ergeben sich hier durchaus realistische Möglichkeiten. Bei den Synth-Kits hat man auf künstlichen Hall zurückgegriffen.
Feinabstimmung für's Schlagzeug
Neben den Potis findet man Felder für die einzelnen Instrumentgruppen wie Bassdrum, Snaredrum, Percussion etc. Hier kann man diese nicht nur stummschalten, sondern auch die Samples aus dem großen Pool von Drumsets wählen. So ist man nicht auf die vorgegebene Zusammenstellung von Steinberg limitiert, sondern kann sich seine eigenen Drumsets schnell und bequem zusammenklicken. Hier kann man auch für jede einzelne Gruppe Velocity, Tuning, Decay, Ambience und Lautstärke einstellen und zudem auch einen von acht Stereo-Ausgängen wählen. So kann man auch teilweise auf die internen Effekte ganz verzichten und beispielweise ein eigenes Kompressor-Plugin benutzen.
Klickt man nun unten auf "RUN", dudelt der Groove Agent 2 auch schon los - natürlich passend zum Songtempo des Sequencers. Einmal aktiviert, kann man das Plugin eigentlich erst einmal links liegen lassen, da es automatisch mit dem Starten der Wiedergabe mitspielt und entsprechend auch wieder stoppt.
Alles in allem ist die Bedienung sehr intuitiv und einfach gehalten. Man kommt hier schnell zu guten Ergebnissen, da der Groove Agent 2 einem fast alles abnimmt, ohne dass es an Eingriffsmöglichkeiten mangelt. Einzig das Einstellen der Potis für die einzelnen Tracks ist etwas "fitzelig", weil die wirklich etwas zu klein geraten sind
MIDI, Konfiguration und Ausgänge
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Ein wichtiges Feature ist, dass man die einzelnen Soundgruppen auch auf entsprechende VST Audio-Ausgänge verteilen kann und somit größere Eingriffsmöglichkeiten in den Sound hat: So kann man einzelne Gruppen mit unterschiedlichen Effekten belegen und hat die Möglichkeit, ein eigenes Dynamik-Plugin an Stelle des eingebauten "Limiters" zu verwenden... Schön ist auch, dass man die Ambience-Sektion auf einen eigenen Ausgang legen kann.
Der Groove Agent 2 kann jedoch nicht nur Audio ausgeben. Klein und versteckt in dem Konfigurations-Panel findet man die Option "MIDI-Output", die es ermöglicht, den Grooveagent auch als reine MIDI-Schleuder zu benutzen und auf die internen Sounds zu verzichten. So kann man z.B. ein externes Schlagzeug-Plugin wie Battery verwenden und den Groove Agent hier einfach anstelle eines MIDI-Ports als Eingang einer MIDI-Spur verwenden - sehr praktisch, wenn einem zwar der Beat gefällt, die Sounds aber nicht ganz passend sind. Genauso, kann man die Noten im Sequencer (zumindestens in Cubase hat es funktioniert) auch ganz normal aufzeichnen und dann komplett auf das Plugin verzichten und mit anderen Klangerzeugern weiterarbeiten. Die Möglichkeiten, die sich dadurch auftun, sind enorm.
Das ganze funktioniert natürlich auch umgekehrt, so lässt sich der Groove Agent 2 auch als reine Soundschleuder benutzen. Mit einer weiteren Option kann man die Aus- und Eingabe auch so einstellen, dass sie GM-kompatibel angesteurt werden kann.
Die Styles
Hier gibt es eigentlich nichts zu meckern, denn man findet so ziemlich alles was das Musikerherz begehrt und durch die weiteren Eingriffmöglichkeiten wie die verschiedenen Komplexitäts-Möglichkeiten, das Muten einzelnder Tracks und die Buttons für Halfbeat und Fills, sind dem Musiker eigentlich kaum Grenzen gesetzt. Wem das dann auch noch nicht ausreichen sollte, kann per MIDI-Ausgabe die Beats vom Grooveagent aufzeichnen und selber nachbearbeiten.
Die kompletten Einstellungen lassen sich im übrigen in 10 Speicherplätzen sichern und mit einem Klick abrufen, womit man schnell zwischen verschiedenen Patterns (z.B. für Strophe und Refrain) hin- und herwechseln kann.
Sound
Die Sounds klingen allesamt durchaus sehr gut, wenn auch nicht gerade überragend. Mit kompletten gesampleten Drumkits für Battery und Co. kommen die akustischen Kits leider nicht mit und auch die Velocity-Layers hätte man meiner Ansicht nach hier manchmal etwas intensiver nutzen können. Die beim Groove Agent 2 im Gegensatz zur Vorversion hinzugekommen Kits sind zwar schon erheblich besser, aber man hätte noch etwas mehr rausholen können: kompliziertere Geschichten wie Flames und Rolls fehlen leider. Während die akustischen Schlagzeuge noch verbesserungwürdig sind, haben die elektronischen Kits meiner Meinung nach viel Druck und klingen gut (ich gebe aber zu, dass ich nicht unbedingt so der Techno-Freak bin).
Das fantastische an den Grooveatent-Kits liegt aber darin, dass die Sounds alle sehr rund, homogen und angenehm klingen. Wo andere Schlagzeug-Libraries zwar durch zigfaches Layering und filigrane Samples beeindrucken, fehlt oft das gewisse "Etwas", was beim Grooveagent 2 sehr gut rüberkommt. Die Sounds sind in jedem Fall universal einsetzbar.
Fazit
Für Arrangements gibt es nichts besseres: Plugin laden, Style und Drumkit auswählen, fertig. Alles andere läuft vollautomatisch ab und man kann sich auf den kreativen Teil beschränken. Perfekt ist es auch, wenn man fertige Drum-Tracks vorliegen hat und schnell mal testen will, welcher Sound am besten passt.
Das einzige Manko was zu nennen sei, sind die Sounds der akustischen Drumsets. Hier könnte man wesentlich mehr rausholen. Mit amtlichen Libraries können sie leider oft nicht mithalten, der Gesamteindruck ist aber sehr gut, da die Samples gut aufeinander abgestimmt sind.
Aber auch wenn man andere Schlagzeug-Samples benutzt, kann man den Groove Agent - dank MIDI-Ausgabe herrlich als Inspirationsquelle für eigene Beats benutzen.
Alles in allem ein extrem wertvolles Werkzeug für Arranger. Professionelle Grooves auf Knopfdruck - was will man mehr?