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Wellenreiter: Steinberg Wavelab 5 Audiobearbeitung im Test

Autor: Daniel Remmel

Steinberg Wavelab, der Photoshop für Musiker geht in die fünfte Runde. Wir haben das Programm für Mastering und Audiobearbeitung genauer unter die Lupe genommen.



Die Bezeichnung Wavelab wird dem Programm spätestens seit dieser Version eigentlich nicht mehr gerecht. Multimedialab wäre wohl passender, denn Wavelab ist weit mehr als "nur" ein Audiobearbeitungsprogramm. Mit Version 5 unterstützt Wavelab jetzt auch Mehrkanal Surround Audio mit bis zu acht Audiokanälen und kann neben vielen verbreiteten Formaten wie Aiff, MP3, Ogg Vorbis oder Wav nun auch WMA Pro 5.1 schreiben. Auch AVI Audio Import ist kein Problem mehr.



Die Version 5 bietet neben Funktionen zum CD-Brennen und Labelbearbeitung umfangreiche DVD-Authoring-Features. So lassen sich DVDs nicht nur brennen - es stehen zudem auch Optionen für Onscreen-Video, Menudesign und Playlist-Editing zur Verfügung. Wavelab 5 ist damit zur Zeit die einzige Software, die sowohl CD-Audio als auch DVD-Audio unterstützt... Ach ja: Mastering und Audiobearbeitung beherrscht das Programm auch noch nebenbei. Neu in diesem Bereich ist, dass jetzt auch Multikanal-Audio erstellt, bearbeitet und gebrannt werden kann, so dass der Vertonung des eigenen Kinofilmes in Dolby Surround nun nichts mehr im Wege steht.

Mit Wavelab lassen sich Sounddateien erstellen, bearbeiten und auf CDs oder DVDs brennen. Dabei liest Wavelab das Audiomaterial aus verschiedenen Quellen, wie zum Beispiel von der CD-Rom, aus einer MP3-Datei oder auch via Line-In. Mit Wavelab lassen sich nicht nur Master-CDs erstellen, auch Export in alle gängigen Audioformate von WMA über MP3 bis hin zu Ogg Vorbis, Aiff und auch WMA Pro 5.1 ist möglich.

[b]Installation:[/b]
Die erste Hürde stellte sich uns allerdings bei der Installation in den Weg. Auf einen Dongle von Synchrosoft wie es ihn in den letzten Neuerscheinungen von Steinberg gab, wurde verzichtet; stattdessen wird bei der Installation die Original CD-ROM sowie bei der ersten Sitzung ein Authorisations-Key verlangt. Da unser Testrechner über kein eigenes CD-ROM verfügt, sondern nur über Netzwerk auf ein externes Laufwerk zugreift, ließ sich das Programm nicht installieren, da es keine Möglichkeit gab, ein Netzlaufwerk als Quelle anzugeben. Naja, musste halt der Linux-Server dran glauben und das CD-ROM rausrücken...
Alles andere hat einwandfrei funktioniert. Die Installation war sehr schnell abgeschlossen, Wavelab begnügt sich mit etwas mehr als 50 MB Speicherplatz. Für weitergehende Audioanwendungen sollte man jedoch mit der Festplattenkapazität nicht unbedingt geizen, denn Wave-Dateien mit 32 Bit und 96Khz verbrauchen durchaus eine Menge Speicher. 10 Gigabyte würden wir als Minimum empfehlen. Als Betriebssystem wird Windows XP oder Windows 2000 benötigt, auf Windows 9x oder ME-System läuft Wavelab nicht mehr oder nur mit Problemen.

[b]CD-Authoring - Was ist das?[/b]
Die Hauptfunktion von Wavelab nennt sich CD-Authoring. Damit ist das Erstellen eines kompletten CD- oder eben DVD-Projektes gemeint. Diese beginnt mit der Bearbeitung bzw. Nachbearbeitung von einzelnen Audiofiles, geht über Hinzufügen von Effekten, Einfügen von Fade-outs/ins und Schneiden der Dateien bis hin zum Mastering und Brennen des Pre-Masters bzw. einer fertigen CD oder DVD. Auch in CD-Brennprogrammen sonst übliche Funktionen wie das Erstellen des Cover-Layouts für die eigene CD sind in Wavelab vorhanden - allerdings sind die Funktionen, wie bei den Brenn-Programmen auch eher bescheiden. Für ernsthafte CD-Projekte, die auch professionell gepresst und gedruckt werden sollen, empfehlen wir entsprechende Layout-Programme wie Adobe InDesign oder Quark-XPress.

Der heutige Datei-Format-Jungel wird durch Wavelab 5 wesentlich entschärft. Das Programm aus dem Hause Steinberg liest so ziemlich alle gänigen Audio-Formate (natürlich auch MP3) vollkommen fehlerfrei ein. Auch die Speicherfunktionen können sich durchaus sehen lassen: Neben den Standard-Formaten wie WAV, IFF und MP3 lassen sich auch neuere, exotischere Dateitypen wie das recht neue Ogg Vorbis, WMA (Windows Media Audio) oder .snd bzw .au Dateien von Sun/Java erstellen. Auch ist es möglich, Audiodaten im ASCII-Format als reine Textdatei zu speichern (und natürlich auch zu lesen), dabei wird einfach jedes einzelne Sample als ein Zahlenwert in die Textdatei geschrieben. Der Sinn dahinter ist uns allerdings verwehrt geblieben. Ein Song von knapp 4 Minuten Länge brachte es in 16bit/48 kHz immerhin auf stolze 130 MB. Naja... wer ein Geheimnis um seine musikalischen Ergüsse machen will und Angst davor hat, dass sie in falsche Hände kommen, kann die Dateien ja mal im .txt-Format zum Premastern schicken... (Allerdings sollte man sich darauf einstellen, dass man bei 24/96 keine drei Songs auf eine CD bekommt ;-)

[b]Audiobearbeitung und Effekte[/b]
Die besondere Stärke von Wavelab liegt aber in der Effekt-Engine - insbesondere der bekannten VST-Schnittstelle von Steinberg. Dies ist mitunter auch das Hauptmerkmal, in welchem sich das Programm von diverser Low-Budget-Software unterscheidet. Hier lassen sich nämlich Effekte und PlugIns von externen Herstellern integrieren. Da VST sehr weit verbreitet ist, bekommt man hier vom Limiter bis zum Hall-Prozessor alles, was man sich erträumen kann, natürlich auch in allen Preis- und Qualitätsstufen. Wavelab liegt aber eine sehr gute Auswahl von PlugIns bei, so dass man direkt einsteigen kann und grundlegende Bearbeitung und Mastering-Funktionen benutzen kann. Es bietet alle nötigen Effekte, um eine Audiodatei zu bearbeiten. Verschiedene VST-Plugins wie Hall, Chorus, Kompression, Echo oder auch ein Noise-Gate können zum Ausprobieren in Echtzeit eingearbeitet werden. Aber auch hier empfehlen wir, dem Anwender, der "mehr" will, auf zusätzliche PlugIn-Software zurückzugreifen. Die Effekte sind von der Qualität her alle gehobener Durchschnitt. Schön wäre es gewesen, wenn man die Oberflächen der Effekte mal einem Faceliftig unterzogen hätte, da sie von der Bedienung alle noch so umständlich gestaltet sind wie in älteren Wavelab-Versionen.


Ein großer Vorteil von Wavelab gegenüber anderer Audiobearbeitungssoftware ist, dass ein Großteil der Bearbeitung nicht destruktiv stattfindet. So werden die Effekte beispielsweise nicht fest in die Datei eingerechnet, sondern es wird zu jeder WAV-Datei noch eine weitere Datei erstellt, in der die Einstellungen gespeichert werden. Das bietet den Vorteil, dass die Audio-Datei selber nicht verändert wird und sich viele Bearbeitungsschritte wieder rückgängig machen lassen. Um die Einstellungen in den eigentlichen Wave-File zu übernehmen, müssen sie erst in die Datei reingerendert werden.

[b]Bedienung und Oberfläche[/b]
Wenn nun Wavelab gestartet wird, öffnet sich eine Programmoberfläche, wie sie schon von Wavelab 4 her vertraut ist. Im Gegensatz zu Cubase, das von der Version VST hin zur aktuellen SX-Version radikal neu gestaltet wurde, hat sich bei Wavelab auf den ersten Blick erstmal nicht viel verändert. Im Öffnen-Dialog ist eine Option hinzugekommen, die es ermöglicht, eine Datei direkt im Audiomontage-Fenster zu öffnen.
Alle Veränderungen können problemlos wieder rückgängig gemacht werden. Nach wie vor besteht die Möglichkeit des unlimited undo/redo - hier wäre allerdings ein Verlaufs-Fenster (wie z.B. Adobe eines in Photoshop integriert hat), in dem alle gemachten Aktionen aufgelistet werden, praktisch gewesen.
Ansonsten gestaltet sich Wavelab sehr User-freundlich im Fenster-orientierten Stil. Alle Bedienelemente lassen sich beliebig verschieben, so dass auch das Arbeiten mit mehreren Monitoren gut möglich ist. Texturen und farbige Icons, die sich in der Größe stufenlos einstellen lassen, machen das Musikerleben leichter. Die Farbenpracht hat allerdings auch ihren Preis - gerade das Scrolling der Wave-Darstellung zieht sich einiges an Rechenpower. Wer also Performance-Probleme hat, sollte das Scrolling deaktivieren (Menü [i]Optionen/Wellenformdarstellung bei Wiedergabe[/i]). Auf unserem Testsystem konnte dadurch die CPU-Auslastung um fast 90% reduziert werden.

Ein sehr mächtiges Werkzeug ist die sogenannte Audiomontage, die mit Wavelab 3 eingeführt und nun wesentlich verbessert wurde. Es handelt sich dabei um eine Art Mehrspur: Mehrere Audio-Tracks lassen sich gleichzeitig abspielen. Hiermit lassen sich hervorragend Sound-Trailer oder Radio-Werbespots gestalten. Man kann Audio (und Video-) Dateien importieren und diese dann nach Belieben verschieben, mischen und schneiden. Hier kann man hervorragend Lautstärke oder Panning-Hüllkurven einzeichnen und bearbeiten.

[b]Video Dolby Surround und DVD[/b]
Die von der Audioqualität eher mäßige normale Compact Disk könnte vielleicht bald ausgedient haben. 16 Bit und 44 kHz, die vielgelobte "CD-Qualität", stellt - wenn man die Sache genauer betrachtet - nach heutigen Maßstäben keine wirklich überragende Technologie mehr da. Bei Audiodaten, die mit 24 Bit und 16 kHz aufgenommen wurden, wird selbst das geübteste Musiker-Ohr keinen Unterschied zur Bandaufnahme mehr feststellen können. Diese Auflösung ist nämlich bei dem noch relativ neuen Audio-DVD-Format möglich. Leider wird es heute nur von relativ wenig DVD-Playern unterstützt, obwol schon von diversen Künstlern entsprechende Werke auf dem Markt sind.
Aber zurück zu Wavelab - denn mit Wavelab 5 ist es jetzt möglich, diese Formate endlich auf eine DVD zu brennen. Es lässt aber nicht nur die höhere Audioqualität zu, man kann nun endlich auch Mehrkanal-Audio-Dateien bearbeiten und brennen.
Dies geschieht in Wavelab über das oben erwähnte Audio-Montage-Fenster. Die Bezeichnung Audiomontage ist hier fast etwas mißverständlich, da sich darüber auch Videos vertonen lassen. Im Gegensatz zu den vorhergehenden Versionen von Wavelab hat man in der Audio-Monatge nämlich jetzt auch die Möglichkeit, die Dateien auf mehr als zwei Ausgangskanäle zu routen. Zum flüssigen Arbeiten und vor allem zum Überprüfen der Ergebnisse empfiehlt es sich allerdings, eine Mehrkanal ASIO-Karte im Rechner eingebaut zu haben und eine entsprechende Monitor-Umgebung sein Eigen zu nennen.

Die Video-Funktion zum (Nach)-Vertonen ist sehr gut gelungen. Um die Videos anzeigen zu können wird allerdings mindestens DirectX 9 benötigt (dies kann man kostenlos auf der Microsoft-Seiten downloaden). In der Video-Spur wird der Film in kleinen Vorschaubildern angezeigt, die je nach eingestellter Zeit-Auflösung variieren, so lassen sich einzelne Samples oder Volume-Verläufe Bild-genau platzieren und bearbeiten.
Das einzige, das etwas stört, ist, dass sich keine Dateien einfügen lassen, die eine andere Samplingrate als die Montage besitzen. Hier wäre es wünschenswert, dass der Benutzer beim Öffnen einer Datei mit differiernder Frequenz gefragt wird, ob eine Kopie angelegt werden soll, in der die Rate angepasst bzw. konvertiert wird.

[b]DVD-Authoring[/b]
Eine weitere neue Funktion im Datei-Menü ist für das Erstellen eines neues DVD-Projekt gedacht. Als Basis für eine Audio-DVD dienen die im gleichnamigen Editor erstellten Montagen. Hier wird auch der Name des Titels eingegeben. Pro Projekt können bis zu 8 Montage-Files hinzugefügt werden, die jeweils noch verschiedene Audio-Tracks enthalten können. Diese Herangehensweise ist etwas umständlich gelöst, hier ist auf jeden Fall noch Potential für Verbesserungen. Mit einem weiteren Editor kann man das grafische Titel-Menü bearbeiten, welches später beim Abspielen der DVD auf dem Fernseher/Monitor erscheint. Auch hier kann man sich die Bearbeitung wesentlich komfortabler vorstellen.
Die einzelnen Elemente lassen sich in Schriftart und Farbe formatieren, aber leider nur über die Eingabe von Koordinaten verschieben. Eine intuitive Bedienung per Maus hätte die Sache wesentlich erleichtert. Auch Titel und Laufzeit werden automatisch aus der Audiomontage übernommen. Auf den ersten Blick ganz praktisch wird das ganze spätestens dann umständlich, wenn man "mal schnell" einen Track umbenennen will...


[b]Handbuch[/b]
Jawohl der Leser hat richtig "gehört": Steinberg Wavelab5 hat ein Handbuch! ...und was für eins. Insgesamt knapp 800 Seiten schwer und komplett aus echtem Papier, ein Feature das man heute bei aktueller Musik- (und natürlich auch bei sonstiger) Software leider immer mehr vermisst. Immer mehr müssen die zumeist umfangreichen Wälzer aus Zellulose den "modernen" Handbüchern im PDF-Format weichen. Das höchste der Gefühle ist meist ein kurzes Installations-Handbuch mit den "First Steps". Interessant ist die Frage, wieso gerade Wavelab hier eine Ausnahme bildet und das Haupt-Produkt von Steinberg, Cubase, hier handbuchleer ausgegangen ist... Wie dem auch sei: Das Handbuch ist ein Pluspunkt, den man Steinberg hoch anrechnen muss. Leider lag es uns nur in englischer Sprache vor. Es ist aber mitunter sehr ausführlich gehalten und klar strukturiert. Über Inhaltsverzeichnis und Index findet man so ziemlich zu jedem Thema schnell die gewünschte Erklärung.

[b]Fazit[/b]
Wavelab 5 kann man ohne weiteres als Eierlegende Woll-Milch-Sau bezeichnen, Audiobearbeitung, Videovertonung, CD-Brennen, DVD-Authoring, Coverlayout und das alles in hervorragender Qualität. Zwar gilt es bei den DVD-Features noch ein paar Kinderkrankheiten auszumertzen, aber alles in allem hat man mit dem Programm ein sehr gelungenes Rund-um-glücklich-Paket erworben. Die oftgestellte Frage: Muss das so teuer sein? Man bekommt heute auch für unter 100 Euro bereits Programme zum Brennen von CDs und auch Software zur Audionachbearbeitung wird einem heute für wenig Geld nachgefworfen. Man sollte aber bedenken, dass Wavelab von vornherein nicht für Heimanwender gedacht war, sondern vielmehr für professionelle Tonstudios, die es als tägliches Handwerkszeug benötigen. Dementsprechend ist auch der Funktionsumfang und vor allem die Qualität der einzelnen Features ausgelegt. Mit Wavelab kann man, gerade wegen der VST-Plugin-Schnittstelle, so ziemlich alles machen, was das Musiker-Herz begehrt; dementsprechend ist aber auch die Einarbeitungszeit, einen Bunti-Clicki-in-fünf-Minuten-zum-eigenen-Premaster-Kurs würde Wavelab sicherlich nicht gerecht werden. Dafür ist es aber auch recht unwahrscheinlich, dass ein Heimanwender jemals Samplebearbeitung mit 32 bit und 384 kHz benötigen wird (ob das bei professionellen Studios in naher Zukunft jemals der Fall sein wird, wage ich aber auch mal zu bezweifeln ;-).
Funktionen wie das Bearbeiten von CD-Cover oder DVD-Titelmenü sind zwar vorhanden, sollten aber bei professionellem Anspruch besser mit entsprechenden Layout-Programmen durchgeführt werden. Eine sehr gute Hilfe sind sie jedoch für Produzenten, die mal eben den Final Mixdown ins Masterstudio schicken und ohne großen Aufwand das Cover beschriften wollen.
Wer zu Hause mal schnell eine Audio-CD brennen will, dem seien vielleicht eher einfachere und vor allem kostengünstigere Programme an's Herz gelegt.
Auf den Punkt gebracht lässt sich jedoch mit Bestimmtheit sagen: Wavelab sollte in keinem professionellem Ton- oder Video-Studio fehlen. Bis auf die etwas umständliche Handhabung bei der Audio-DVD-Erstellung kann man dem Programm rundum eine Empfehlung aussprechen.




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