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Test: Roland Fantom X6, X7, X8, XR - Synthesizer Workstation

Autor: Dave Remmel ({ AUTHOR_HOMEPAGE })

Die Fantom-Keyboards von Roland gehen in die nächste Runde. Mit den vier Varianten Fantom X6, X7 X8 und Fantom, will Roland wieder neue Masstäbe am Workstation-Himmel setzen. Ob das gelungen ist zeigen wir hier im Test.



Der Fantom X ist das aktuelle Workstation Flagschiff von Roland. Er existiert in vier ausführungen, Fantom X6, X7 und X8, sowie Fantom XR. Die drei erstgenannten unterscheiden such nur durch die Tastatur, Fantom X6 und X7 haben leichtegewichtete Keyboards mit jeweils 61 und 76 Tasten und der X8 hat ein volles 88-Tasten-Keyboard mit Hammermechanik. Ansonsten sind alle drei Geräte von Bedienung und Features vollkommen identisch. Der XR ist die Rackversion der Workstation, ihm fehlt zum einen der Sequencer und zum anderen hat er prinzipbedingt - der XR belegt im Rack nur eine Höheneinheit - ein wesentlich kleineres Display, unverständlich ist, wieso der XR nur 16MB zusätzlichen Speicher mitbringt während die anderen Boards ab Werk mit 32 MB ausgestattet sind. Dafür besitzt er aber sechs Steckplätze für Expansionboards während die Keyboarvarianten nur jeweils vier innehaben.

Konzept


Eigentlich braucht man über das Konzept der Roland-Workstations nicht viel zu verlieren. Als Nachfolger einer Reihe erstklassiger Workstations sollte es hinlänglich bekannt sein. Denn vom grundlegenden Konzept her hat sich seit dem Roland JV-1080 bzw. XP-80 von anno 1994 nicht viel geändert:
Basis bilden insgesamt 128 MB an Wellenformen bzw. Samples. Ein Sound (bei Roland "Patch" genannt) besteht maximal aus vier sogenannten Tones, die jeweils eine Wellenform enthalten. Jeder Tone verfügt jeweils über Hüllkurve, Filter, und zwei LFOs zudem hat jeder Patch (also der eigentliche Sound) eine eigene Effektsektion. Diese besteht aus jeweils zwei Multieffekten, einem Chorus und einem Hall-Part. Leider hat Roland beim Fantom X an diesem Konzept festgehalten - insbesondere im Performance-Mode sind drei Effektwege manchmal wirklich zu wenig.
Wie bei JV-1080 und Nachfolgern, gibt es auch wieder einen sogenannten Performance-Mode. Eine Performance ist im Prinzip einfach ein Layersound der aus maximal 16 einzelnen Patches besteht. Sie können einzeln über entsprechende MIDI-Kanäle bzw den internen Sequencer, oder eben gelayert als Multisounds angesprochen werden. Auch im Performance-Mode stehen global drei Effekte sowie Chorus und Hall zur Verfügung.
Den Nachfolger von XP-60 und XP-80 stellte der XV-5080 dar, ein reines Expander-Modul von dem es keine richtige Tastatur-Variante gab (sieht man mal von dem halbherzigen XV-88 ab). Hier gab es erstmals die Möglichkeit zusätzlich zu den fest eingebauten Wellenformen eigene Samples im AKAI-Format zu verwenden. Im Gegensatz zum XV-5080 ist der Fantom aber zu einem ausgewachsenen Sampler mit Timestretch-Funktion herangereift. Der Speicher kann von 32-MB (Fantom XR: 16 MB), per SD-RAM auf bis zu 544 MB (XR: 528 MB) erweitert werden.
Neu ist auch ein Feld mit 4x4 anschlagdynamischen Gummipads, über welches sich das Schlagzeug oder Oneshot-Sounds abfeuern lassen.

Bedienung



Display


Als erstes springt einem beim Fantom der immerhin fast 6-Zoll große Farb-LCD-Screen ins Auge. Meiner Meinung nach besonders erfreulich: Es ist KEIN Touchscreen, sondern er ist wie bei den Vorgängern auch über 8 Funktionstasten zu steuern, die je nach ausgewähltem Menupunkt ihre Bedeutung verändern, die am unteren Displayrand angezeigt werden. Hauptbedienung findet über das sehr stabil wirkende Scrollrad, ein Cursorfeld und die drei Tasten Shift, Exit und Enter statt. Das ganze geht sehr intuitiv von statten und ist alles in allem sehr durchdacht. Einen Touchscreen vermisst man an keiner Stelle - im Gegenteil: Gerade Live wird es wohl jeder Keyboarder zu schätzen wissen, wenn man nicht mit verschwitzen Händen auf einem zu kleinen Display rumglibbern muss.
Großes Manko des Displays ist aber der schlechte Kontrastumfang bei X6, X7 und X8. Er lässt sich zwar über ein kleines Poti neben dem Display direkt einstellen (sehr praktisch, dass man sich dazu wie beim XV-5080 nicht erst durchs System-Menü hangeln muss), allerdings lässt sich auf dem Display gerade bei flachen Blickwinkeln fast kaum noch etwas erkennen.
Unverständlich bleibt, wieso man den Fantom XR auf nur eine Höheneinheit geschrumpft hat. Über das extrem kleine Display lässt sich zwar alles relativ gut bedienen, wirklich Spaß macht das aber nicht und für aufwändige Programmierarbeiten ist man gnadenlos auf die (beiligende) Editor-Software angewiesen. Eine zweite HE hätte wohl niemandem weh getan wenn man dem XR dafür ein größeres Display spendiert hätte. Hier muss man sagen, liegen XV-5080 und JV-2080 ganz klar im Vorteil.

Pads


Nun, was soll ich sagen... Ich selber kenne mich in diesem Bereich nicht sonderlich gut aus, da mir Steuerung von Sounds über Pads grundsätzlich etwas suspekt ist. Aber meinem Eindruck nach, ist die Anschlagdynamik hier absolut furchtbar: Trotz der leichtest möglichen "Pad Sense" muss man schon ziemlich auf die Gummiknöpfe eindreschen um ihnen einen einigermaßen lauten Sound zu entlocken - wirklich Spaß macht das nicht.
Ansonsten ist das Padfeld auch im Patch-Modus dauerhaft mit einem Drumkit belegt, was eine sehr praktische Sache ist, wenn der Drummer in der Bandprobe mal wieder nicht schnallt, was man ihm vermittelnt will ;-). Über Hold- und Roll-Buttons lassen sich - so das jeweilige Drumkit dies hergibt - mehr oder weniger realtische Snare-Wirbel erzeugen. Zudem lässt sich über die Pads die RPS-Funktion antriggern (okay wirklich realistisch klingt das nicht). Hierbei (RPS = Realtime Phrase Sequencer) handelt es sich um kleine Sequenzen oder Loops die man auf einzelne Tasten legen kann, womit sich zum Beispiel eine abgespeckte Begleitautomatik realisieren lässt - sehr praktisch übrigens auch um zum Beispiel gane Soundsets in einer Performance umzustellen indem man sich einfach kleine MIDI-Files mit den entsprechenden Program-Changes als Pattern speichert und auf die Pdas legt.

Schalter, Taster und Fader


Der Fantom ist vom Bedienungskonzept sehr durchdacht. Besonderes Schmankerl sind die vier Potis links neben dem Display, hierüber hat man direkten Echtzeit-Zugriff auf Cutoff, Resonanz, Attack und Release des Filters, zudem lassen sich damit die Arpeggio-Einstellungen steuern. Besonders praktisch ist aber, dass sich die Potis wie auch die darunter liegenden beiden Taster mit individuellen Funktionen oder Parameterm des Patches belegen lassen. Zudem kann man hierüber beliebige MIDI-Controller senden, was sich allerdings etwas umständlich realisieren lässt da man - wenn man nicht auf die voreingestellten Werkseinstellungen zurückgreifen will - an drei Stellen Änderungen durchführen muss a) im Patch, b) in den Systemeisntellungen c) Bei den Poti-Einstellungen (Realtime Control) - immerhin kann man so die gesendeten MIDI-Parameter und die interne Verwendung unabhängig voneinander einstellen. Schade nur, dass Roland hier nur vier Potis und zwei Taster eingeplant hat - von freibelegbaren Bedienelementen kann man als Keyboarder eigentlich nicht genug haben.
Sehr nettes Feature ist auch der Taster Piano-Mode - hierüber kann man egal wo man sich gerade befinden einen (vorher ausgewählten) Pianosound aufrufen, auch die beiden Buttons zum hoch- bzw runtertransponieren um eine Oktave, will man nach kurzer Zeit nicht mehr missen (insbesondere X6-Benutzer).
Der optische D-Beam-Controller, der über den Abstand der Hand zum Keyboard beliebige Parameter oder ein Solo-Synth wirkt seltsam. Für die einen mag er ein cooles Feature sein, für andere wiederum ist er eher Spielerei.
Größte Katastrophe beim Fantom ist allerdings, dass sich die Pads NICHT zur Eingabe von Parametern oder zur direkten Anwahl von Sounds nutzen lassen. Beides kann man nur umständlich über das Scrollrad erledigen. Gerade live ist sowas nahezu tödlich, es gibt hierzu zwar die Favoriten- und Live-Settings-Funktion, beides muss aber vorher programmiert werden. Wenn man mal spontan auf einen Patch umschalten will hilfe es nichts, wenn einem die Nummer bekannt ist - man muss sich umständlich durch alle Sounds durchscrollen. Für eine Workstation der 2000-Euro-Klasse ist sowas eigentlich nicht akzeptabel.
Schmerzlich ist auch, dass viele, beim XP-60 / XP-80 vorhandene Knöpfe wegrationalisiert wurden: So kann man Transponieren, Loop, Solo, Portamento und - besonders lästig - Undo/Redo jetzt nur noch über Submenüs erreichen.

Schnittstellen


Füttern kann man den Fantom über eine PCMCIA-Schnittstelle, über die man Compact-Flash-Karten (CD) bis zu 2GB benutzen kann - leider nur über einen nicht beiliegenden Adapter. Da 99% der Keyboarder die Schnittstelle wohl eh nur zum Datenaustausch benutzen dürften wäre hier ein direkt ausgeführt CF-Slot weitaus sinnvoller gewesen. Die Adapter gibt es aber schon für unter 10 Euro im Computerfachhandel. Der große Vorteil von CF-Karten liegt aber darin, dass man sie als dauerhafte Speichererweiterung nutzen kann. Im Gegensatz zu USB-Sticks kann man sie nämlich auch im Case einfach stecken lassen zudem sind die Preise mittlerweilen sehr weit gefallen. Hier hat Roland echt einen guten Schachzug gemacht.

Neben dem üblichem MIDI-Trio (leider gibt es nur ein MIDI-OUT für Masterkeyboard-Funktionen), findet man insgesamt vier Klinke-Ausgänge, zwei Klinke-Eingänge, digitalen Ein- und Ausgang und leider nur zwei Ports für zusätzliche Foot-Controller, wovon einer schon für das obligatorische Sustain-Pedal draufgehen sollte. Dafür gibt es endlich einen USB-Port, aber auch hier hat Roland leider Kompromisse gemacht. Entweder benutzt man das Keyboard als Massenspeicher, dann kann man den internen Speicher bzw. die CF-Card unter Windows als Laufwerk einbinden oder der Fantom fungiert als MIDI-Interface. Beide Modi zu kombinieren ist leider nicht möglich so muss man, um die Editor-Software zu benutzen jedes mal den Modus von "Storage" auf "MIDI" umstellen.

Sound


Bei den Sounds lässt der Fantom kaum Wünsche offen. Von sanften Pianoklängen über satte Streicher- und Bläsersätze über E- und Akustikgitarren bis hin zu fetten Synthflächen und TR-Bässen... die Soundvielfalt kann einen schon fast erschlagen: unter den über 1100 Presets verteilt auf neun Bänken (plus 128 User-Patches, und 256 GM-Patches), sollte eigentlich für jeden was dabei sein. Wem die User-Patches nicht ausreichen kann diese über CF-Card nahezu beliebig erweitern. Auch vor den hiesigen Sample-Libraries wie Hypersonic oder SampleTank braucht sich die Workstation nicht zu verstecken - im Gegenteil. Die Sounds klingen oft wesentlich ausgereifter und homogener, als bei den Computer-PlugIns welche oft nur auf schiere Masse setzen.
Hier mal eine kurzer Abriss mit Pro und Contra über die wichtigsten Brot- und Butter-Sounds:

Piano


Die Flügel- und Klavier-Sounds sind gut, wenn auch nicht überragend. Für die meisten Anforderungen sollte hier etwas zu finden sein. Insbesondere die klassischen Pianos sind gelungen. Auch alte Klassiker wie ein JD-800 Piano-Patch fehlen nicht im Repertoire. Zu bemängeln gibt hier wenig, einziges Manko ist, dass sich die Presets manchmal im Livegefüge nicht ganz durchsetzen. Dieses Problem lässt sich aber dank der sehr vielseitigen Eingriffsmöglichkeiten in die Sounds mit wenigen Handgriffen beseitigen

E-Piano und Rhodes


Die große Schwäche der Alten XP- JV und XV-Synths hat Roland behoben. Die wichtigsten Vertreter der klassischen E-Pianos wie Fender Rhodes oder Wurlitzer und Clavinett sind zur Genüge in guter Qualität vorhanden auch die klassischen glockigen DX7-Klänge geben keinen Grund zur Beanstandung. Etwas vermisst haben wir die knackigen Synthie-Rhodes der alten XV-Serie. Diese Patches lassen sich aber zum Glück importieren.

Orgel


Hier liegt unserer Ansicht nach die größte Schwäche des Fantom. Die Orgeln klingen "okay", aber größere Wow-Erlebnisse blieben aus. Die Sounds sind einfach zu speziell und teilweise überzogen. Einen allgemein benutzbaren Hammond-B3-Patch sucht man vergeblich, zumal eine der beiden Leslie-Simulation durch starkes Leiern fast unbenutzbar wird. Hier kann man mit etwas Programmieraufwand noch einiges rausholen, allerdings ist dieses Unterfangen auch nicht ganz so trivial wie beispielsweise bei den Pianosounds. Sehr zu empfehlen ist hier allerdings die B4Real von Jason Carroll, eine B3-Simulation mit Zugriegeln und sehr überzeugendem Sound komplett mit Werksounds der Fantom-X-Reihe programmiert - allerdings auch nur ein Kompromiss.

Streicher und Orchester


Hier gibt es nichts auszustzen: Für den Otto-Normal-Keyboarder bietet der Fantom alles was man für den Hausgebrauch benötigt. Die Strings klingen allesamt sehr authentisch und lassen sich sehr gut zum Beispiel mit Pianos kombinieren, wobei es hier auch schon einige wunderschöne Piano-Stings-Patches ab Werk gibt.

Gebläse


Sowohl Holz- als auch Blechbläser machen einen guten Eindruck. Schade ist allerdings, der nicht ganz gelungene Aftertouch. Gerade bei Brass-Sections kann man hier sehr realistische Ergebnisse erzielen, wenn man sich die Lautstärke auf den Aftertouch legt.

Synth


Auch hier fährt die Workstation ihre Stärken voll aus. Die Synties sind wirklich vielseitig und gut einsetzbar. Hier macht gerade Experimentieren an den Sounds sehr viel Spaß. Von frischen LFO-Sounds bis hin zu fetten Solo-Synths nach Moog-Manier sollte hier für jeden etwas dabei sein.

Pads und Flächen


Gute Flächensounds waren meiner Meinung nach schon immer eine Stärle der Roland-Workstations. Hier gibt es fast zu jedem Thema etwas, wabbernde Syntpads, analoge Streicher und lebendige Teppiche, der Fantom lässt kaum Wünsche offen.

Gitarren


Die Simulation von realistischen Gitarren war schon immer die Königsklasse bei den Synthesizern. Hier kommt eigentlich jedes Keyboard prinzipbedingt sehr schnell an seine Grenzen. Ohnehin wird wohl kaum einer Keyboarder den Wunsch hegen mit seiner Workstation mal eben die neuste Clapton-Nummer nachzuspielen - das wird in absehbarer Zeit wohl nicht möglich sein - doch auch im Gegensatz zu seinen Wettbewerbern gibt sich der Fantom auch auf diesem Gebiet keine Blöße. Gerade die verzerrten E-Gitarren kommen durch die hervorragende Effekt-Sektion sehr fett rüber. Auch Akustikgitarren, klingen - dezent im Arrangement eingesetzt sehr realistisch.

Schlagzeug


Auch hier hat Roland deutlich zugelegt. Die Zusammenstellung der Sets mutet zwar manchmal etwas seltsam an, aber man sollte mit der Auswahl für die wichtigsten Stilistiken gerüstet sein. Insbesondere das StudioX Kit 1 (Preset 033) vermag zu gefallen, aber auch für Electronic-Musiker finden sich einige nette Drumsets (zum beispiel ein sehr gut klingendes 909-Kit). Angenehm ist in diesem Zusammenhang auch, dass man im Performance-Mode für die Drums nicht mehr auf den MIDI-Track 10 festgelegt ist, sondern endlich auch mehrere Sets gleichzeitig in eine Performance einfügen kann.

Effekte


In diesem Bereich macht Roland so schnell niemand etwas vor. Gerade zur Zeit der alten JV und XP-Workstations als Speicher noch richtig teuer war, haben die Sounds sehr stark von den hervorragenden Effekten gelebt. Hat man die Effekte abgeschaltet hat sich das ganze dann oft ziemlich bescheiden angehört. Speicher ist heute natürlich kein Thema mehr - mit dem Fantom setzt Roland die Effekt-Messlatte im aber im Synthesizer-Segment noch ein wenig Höher. Wirklich lästig ist allerdings dass man pro Performance nur drei verschiedene Effekte verwenden kann, was bei komplexen Sounds mitunter manchmal etwas knapp wird. Ich selber schalte zum Beispiel nur sehr wenig zwischen verschiedenen Sounds hin und her sondern lege mir meistens

Dazu kommt, dass die Auswahl durch diverse Kombi-Effekte (zum Beispiel Distortion-Delay) mitunter recht unübersichtlich wirkt. Insgesamt 78 verschiedene Effekte bieten sich dem Benutzer an, darunter Verzerrer, Kompressoren, Limiter, Gates, eine Amp-Simulation diverse Filter und vieles mehr. Auch die vom Roland VK-7 ("22 - VK Rotary") übernommen Leslie-Simulation klingt ganz ordentlich was man von der zweiten Rotary-Simulation (21) nicht unbedingt behaupten kann...
Neu ist auch eine Master-Effekt-Sektion. Hierüber kann man einen Multiband-Kompressor einschleusen, der das komplette Ausgangssignal noch mal etwas "lauter" macht macht. Für den schönen Solo-Flügelsound ist das zwar eher nichts, aber gerade wenn man den Fantom als Zuspieler für Playbacks benutzt ist der Kompressor eine sehr praktische Sache. Zudem kann man dem Sound im Notfall hiermit nochmal etwas mehr Punch verleihen, wenn der Mann hinterm Mischput mal nicht reagiert und der Masterout schon auf Anschlag steht ;-)


Sequencer


Mit dem Sequencer kann man sehr viel machen, wobei von vornherein gesagt sein sollte, dass er mit einem Software-Sequencer wie zum Beispiel Cubase lange nicht mithalten kann - und vermutlich nicht können wird. Nichtsdestotrotz hat man mit dem Fantom ein Werkzeug in der Hand mit dem man eine komplette Produktion fahren kann. Die acht zusätzlichen Audiospuren sollten den meisten Keyboardern hier reichen. zusätzlich kann man noch sogenannte Pattern erstellen die man sich entweder auf eine Taste oder ein Pad legen kann. Hiermit lassen sich gar praktische Sachen wie die Soundumschaltung gleich mehrerer Kanäle realisieren. Der Sequenzer ist erstaunlich mächtig. Dass man mit dem Fantom keine reinrassige Produktionsumgebung á la Cubase ersetzen kann sollte klar sein. Dafür ist das Display dann doch etwas klein, aber das ist hier auch nicht das Ziel. Die der Arbeit mit dem Sequencer ist der einzige Moment in dem man sich manchmal eine Maus wünschen würde, die man ansonsten dank der hervorragenden klar strukturierten Bedienung nicht vermisst. Aber bis einmal ein Keyboard mit Maus auf den Markt kommt werden wohl noch ein paar Jahre vergehen.

Handbuch


Am Handbuch gibt es wenig auszusetzen. Im Prinzip besteht es aus vielen kleinen Schritt für Schrit -Anleitungen. Das bietet den Vorteil, dass man hier auch gut klarkommt wenn man nicht viel Zeit hat. Seitenlange beschreibungen werden einem erspart sondern es erfolgen klare und kurze Anweisungen welche Tasten man in welcher Reihenfolge zu drücken hat, um sein Ziel zu erreichen. Über den ausführlichen Index lassen sich einzelne Themen schnell finden.

Software und Editor


Die Integration in eine Studio-Umgebung könnte durchaus besser sein. Der Editor vereinfacht das Programmieren von Sounds zwar erheblich, aber wenn man das Keyboard aus dem Sequencer heraus steuern will, ist das ganze doch relativ unpraktisch. Ich frage mich ernsthaft, warum noch kein Hersteller auf die Idee gekommen ist, eine Schnittstelle zum Keyboard als VST-PlugIn zur Verfügung zu stellen, wie das zum Beispiel bei diversen DSP-Karten Gang und Gäbe ist. Dann hätte man einen nahtlosen Übergang von Hardware zu Software, was den Workflow erheblich verbessern würde.
Schade ist beim Editor auch, das man ihn wie oben bereits bemerkt nur per MIDI ansteuern kann und man hierüber die USB-Verbindung zum Fantom auf "MIDI" umstellen muss und damit das Keyboard nicht mehr als Wechselspeicher nutzen kann.


Fazit


Erfreulicherweise scheint die Zeit in der man mit Bedienelementen gegeizt hat (wie z.B. beim Fantom S ) vorbei. Es kommen wieder Keyboards mit vielen Knöpfen auf den Markt. Trotz einiger Wehrmutstropfen wie fehlenden Solo-Tastern ist das Bedienkonzept beim Fantom wirklich gelungen - einzig die fehlende Möglichkeit der Parametereingabe über die Pads wird mancher Soundbastler schmerzlich vermissen - wobei laut Roland eventuell die Möglichkeit besteht, dass diese Option über ein Firmwareupdate nachgereicht wird.
Vergleicht man man den Fantom mit seinen Vorgängern wie zum Beispiel dem dem XV-5080 muss man eingestehen, dass in puncto an Funktionalität und Features nicht wirklich viel hinzugekommen ist. Die Sampling-Optionen wurden etwas aufgebohrt, die Presetsounds klingen (deutlich) besser, es gibt es jetzt NOCH mehr Sounds und ein NOCH großeres Display. Ist man nicht auf eine Keyboard-Version angewiesen mag einem die Entscheidung zwischen XV-5080 und Fantom XR aber durchaus schwerfallen, da der XV gegenüber dem Fantom durchaus einige Vorteile besitzt (Display, Ausgänge, Bedienung) - sieht man sich die Gebrauchtpreise an wir man aber auch schnell feststellen dass ein alter XV (ca 850 Euro beim bekannten Auktionshaus) nicht soooo viel günstiger ist als ein neuer Fantom XR (ca 1250 Euro Straßenpreis) - von daher sollte die Entscheidung nicht allzu schwerfallen.
Zugute halten muss man dem Fantom hier aber auch, dass er an die sprichwörtliche Eierlegende Wollmilchsau schon zielmich nahe rankommt. Es gibt nichts, was man wirklich komplett vermissen würde. Selbst einfache Begleitautomatik (für viele Keyboarder das Bashword schlechthin) lässt sich über die RPS-Funktion realisieren.
Falschmachen kann man mit dem Fantom unserer Meinung nach nichts. Die Sounds klingen - abgesehen von den Orgeln - alle sehr gut und sind zudem noch durch die Expansionboards erweiterbar. Manchmal kann man sich des Gedankens aber nicht erwehren, dass man bei den Presets bewusst auf die Spitzensounds verzichtet hat um weitere Expansionboards zu verkaufen.
Die Bedienung ist fast Vorbildlich gelöst, wenn der Fantom im Gegensatz zum XP-80 auch etwas an Komfort (fehlende Buttons, kein Ziffernblock) eingebüßt hat, was zwar schade ist aber durch das breite Display größtenteils kompensiert wird.


Zukunft


Wirklich schön wäre es, wenn man zusätzlich zu den Wellenforman noch einen einfachen "echten" Synthesizer hätte, den man als "Tone" in einen Patch integrieren könnte. Gerade für Soundbastler würde der Fantom dann sicherlich um einiges interessanter. Sehr zu wünschen wäre es auch wenn man sich endlich von dem Effekt-Konzept von Hall- Chorus- und Effektsektion trennen würde. Weitaus besser wäre es wenn man beispielsweise einfach acht komplette Effektblöcke hätte, die man frei verschalten könnte. Dann würden die Meine-Performance-klingt-nicht-wie-der-Patch-Threads in den hiesigen Communites endlich der Vergangenheit angehören. Genauso dringlich sehnt man sich im Livebetrieb einfach nach mehr Knöpfen und Reglern.
Erfreulich wären mal neue Konzepte wie zum Beispiel die Integration als PlugIn in bestehende Sequencer-Software, aufhebung der Trennung von Preset- und Userbanken, oder aufbrechen der Patchstruktur (warum kann man nicht zum Beispiel ein beliebiges Sample als Hüllkurve für den LFO verwenden).
Der Markt wird sicherlich interessant bleiben inbesondere weil Korg mit dem M3 dieses Jahr einen ernstzunehmenden Wettbewerber ins Rennen schicken wird und auch Yamaha sicherlich nicht schläft. Trotzdem bleibt das Fazit: Der Fantom ist derzeit eines der besten und vor allem ausgereiftesten Keyboards, die man auf dem Markt bekommen kann. Wirkliche Schwächen beziehen sich fast alle nur auf kleine Details mit denen man leben kann. Das Keyboard macht wirklich Spaß und ist jedem bedenkenlos zu empfehlen (das nötige Kleingeld vorausgesetzt).




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