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Workshop: Crashkurs im Löten

Autor: Daniel Remmel

Wer viel Live unterwegs ist, weiß, was während eines Gigs so alles auf einen zukommen kann. Wenn zu ungünstiger Zeit geschehen, nimmt so etwas auch schon mal albtraumähnliche Ausmaße an. Da ein Großteil dieser Ausfälle elektrischer Art sind, haben wir hier kurzum einen kleinen Lötkurs eingerichtet, um dem etwas abzuhelfen.



Selten musste ein Konzert wegen einem gebrochenen Gitarrenhals abgebrochen werden. Wenn dies der Fall sein sollte, ist allerdings in jedem Fall nicht mehr viel zu machen (vielleicht sollte man in diesem auch über einen Wechsel des Musikstiles nachdenken).
Andere technische Probleme die im Leben eines Musikers oder Technikers auch oft auftauchen können dagegen kann man, mit etwas Fertigkeit am Lötkolben oft schneller gelöst werden als man denkt.

Equipment


Als erstes benötigt man einen Lötkolben. Es sei von vornherein gesagt, dass ein Aldi-Lötkolben für 5 € nichts weiter ist, als rausgeschmissenes Geld, das man besser in ein paar neue Gitarren-Saiten oder einen Besuch bei Bruger King steckt.
Optimal für unterwegs ist ein kabelloser Gaslötkolben (gute sind allerdings sehr teuer). Ansonsten ist man mit einer sogenannten Lötstation (Lötkolben und Steuerelektronik getrennt) am besten bedient. Hier bekommt man schon für unter 100 Euro recht gute Geräte. Viel weniger sollte es aber auch nicht sein (ich selber favorisiere z.B. Weller). Ein weiterer Vorteil von etwas besseren Kolben ist, dass sie schneller heiss sind. Ein nicht zu unterschätzendes Feature - wenn mitten auf dem Konzert plötzlich alles dunkel ist, können Sekunden zu Stunden werden.
In jedem Fall ist wichtig, dass der Kolben temperatur-geregelt ist, da sonst sehr schnell die gefürchteten kalten Lötstellen entstehen können.

Als nächstes braucht man eine recht feine Spitze und eine Rolle Lot (der gängige Bezeichnung Lötzinn ist eigentlich nicht ganz korrekt). Das sogenannte Flussmittel (für bessere Konsistenz des flüssigen Lots) benötigt man heute nicht mehr, da es mittlerweile im Lot eingearbeitet ist.

Auf in den Kampf


Das Löten selber ist keine wilde Sache. Wenn der Kolben richtig heiß ist (und erst dann !) verzinnt man am besten erstmal die zu lötenden Teile, sowie die Lötspitze (wenn sie das Lot nicht gut annimmt, ist der Kolben meist nicht heiß genug).

Dann nimmt man die anzulötende Leitung und führt sie an die Lötstelle, die man vorher mit dem Kolben gut erhitzen sollte. Mit der anderen Hand nimmt man nun das Lot und hält es an das Bauteil. Optimaler Weise berührt das Lot die Spitze gar nicht, sondern nur das Bauteil (deswegen vorher erhitzen).
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Leider hat man zum Löten immer grundsätzlich zwei bis drei Hände zu wenig. Macht Euch nix draus, das ist normal. Im Laufe der Zeit bekommt man den Dreh raus und entwickelt eine eigene Technik. Ich mache es zum Beispiel so:
In die rechte Hand nehme ich den Lötkolben mit Zeigefinger, Daumen und Mittelfinger, sowie das anzulötende Kabel, welches ich mit Ringfinger und kleinem Finger festhalte. Linkerhand setze ich das Lot an. Falls zwei bewegliche Teile zu löten sind, halte ich das zweite Teil wiederrum zwischen kleinem Finger und Ringfinger der linken Hand.

Kalte Lötstellen


Wovor jeder Elektroniker am meisten Angst hat sind die sogenannten "Kalten Lötstellen", bei denen das Lot den Kontakt zwar umfliesst, aber keine elektrische Verbindung zwischen den beiden Teilen besteht. Das entsteht meistens dadurch, dass der Kolben nicht heiß genug war und das Flussmittel nicht komplett verdampft ist. Es bildet sich eine dünne, nichtleitende Schicht zwischen Lötpunkt und Kontakt.

Diese Lötstellen kann man glücklicherweise gut erkennen. Normalerweise zieht sich das Lot wie eine gespannte Zeltplane um den Leiter und ist silbrig-glänzend. Bei einer kalten Lötstelle, ist die Farbe sehr matt und die Lötstelle sieht etwas klumpenförmig aus:



Weitere Tipps


Müssen zwei Kabel aneinander gelötet werden, sollte man nach Möglichkeit beide Enden verzwirbeln. Dabei auch nicht zu knauserig mit dem Lot umgehen. Die Verbindung lässt sich dann allerdings nur noch sehr schlecht auflöten sondern ist fast nur noch mit dem Saitenschneider zu öffnen.
Um festgelötete Leitungen wieder zu lösen, bekommt man schon relativ preiswert (ca. 10 Euro) eine Entlötpumpe (oder auch Lötsaugpumpe), die das Lot, das man vorher mit dem Lötkolben flüssig macht, absaugt - sehr nützlich.
Lasst Euch grundsätzlich Zeit und überprüft Eure Arbeit direkt danach auf kalte Lötstellen. Nichts ist ärgerlicher, als nach einem arbeitsreichen Löt-Tag nochmals alles auseinander bauen zu müssen, weil irgendwas doch nicht funktioniert. Am besten eben durchmessen (Multimeter).
Gerade bei Kabeln sollte man unbedingt aufpassen, dass keine dünnen Drähte irgendwo abstehen. Das erzeugt recht schnell Kurzschlüsse, die man dann Ewigkeiten suchen muss.
Ansonsten gilt wie fast überall: Übung macht den Meister. Probiert lieber zu Hause etwas rum (vielleicht nicht gerade an der neuen Digital-Workstation für 3000 Euro). Eine gute Übung ist z.B. das Selberlöten von Gitarren und Patchkabeln. Das hat gleich mehrere Vorteile: Man sammelt etwas Erfahrung mit dem Lötkolben, kann sich die Kabel auf Maß schneiden, und bekommt gleichzeitig billigere und bessere Kabel (fertig gekaufte sind meistens nicht sehr liebevoll gelötet).
Dabei kann dann auch ruhig mal was schief gehen - bei Kabeln ist das kein Beinbruch. Wenn das erste Mal allerdings auf der Bühne während eines Konzertes stattfindet, geht's meistens daneben...

Viel Spaß beim Ausprobieren




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