Neuneck hat geschrieben:Class A verstärke also pos. und neg. Halbwelle gleichzeitig, während bei Class B beides getrennt verarbeitet wird?... und? Wie wirkt sich das auf den Klangcharakter, die Dynamik etc. des Signals aus
Ich probier' das jetzt 'mal so kurz und untechnisch wie mögl. zu erklären. Wenn ich dabei etwas falsch beschreiben sollte, möge man(uela) mich korrigieren:
Bei Class A läuft der Amp im Leerlauf (kein Eingangssignal) immer auf halber Last (dadurch hohe Leerlaufverluste) und wird von diesem sog. Arbeitspunkt durch das Wechselspannungssignal am Eingang nach oben und unten ausgelenkt.
Bei einer Class-A Stufe mit z.B. 10V Betriebsspannung wäre der Ruhepunkt also bei 5V und könnte von dort ausgehend jeweils um max. 5V nach oben und unten ausgelenkt werden. Den Gleichanteil bekommt man mit einem Koppelkondensator weg, so daß bei Vollausteuerung dann am Ausgang Wechselspannungen von max. -5 bis +5 Volt anliegen.
Bei einer Gegentakt-Endstufe (Class AB bzw. B) werden quasi zwei Verstärker aneinander gebaut - einer für positive, einer für negative Signalanteile. Das Eingangssignal steuert dann nur die jeweils betroffene Stufe (pos. od. neg.) durch, die andere wird dabei dann gesperrt.
Im Leerlauf wird im Class-B-Betrieb keine der Stufen angesteuert, ergo kleine Verlustleistung. Das einzige
Problem bei den getrennten Verstärkern ist der Nullübergang, weil alle Verstärker gerade in den äußeren Bereichen (nahe Null bzw. Aussteuerungsgrenze) nicht so linear arbeiten wie in der Mitte. Deswegen wird der Nulldurchgang bei einem Verstärker im Class-B-Betrieb nicht völlig originalgetreu übertragen, er wird verzerrt (sprich: es gibt - wenn auch sehr kleine - Veränderungen des Signals, hier
nicht mit Distortion zu verwechseln)
Bei der AB-Schaltung liegt der Arbeitspunkt irgendwo zwischen Class A und B (d.h. über Null, aber auch nicht auf halbem Niveau - daher dann auch der Name), erzeugt daher weniger Verzerrungen als reiner B-Betrieb (weil der Verstärker nicht ganz bis auf Null 'runter fährt), hat aber auch weniger Verluste als Class-A (weil der Arbeitspunkt niedriger als bei A).
Daher ist die Class-A-Betriebsart insgesamt die audiophilste, weil hier mangels Übergang erst gar keine Übergangsverzerrungen auftreten. Bei dicken Endstufen lohnt sich diese Bauweise aber aufgrund der hohen Verluste i.d.R. nicht.
SO - hoffe, das hat jetzt zur Klärung beigetragen ...
Hier noch ein
Link zum Thema Gegentaktverstärker (klick) und auf der selben Site ein
Link zu Betriebsarten von Transistor-Verstärkern (klick).
Bei Röhrenverstärkern verhält sich das übrigens sehr ähnlich, das Prinzip (Aufteilen der Halbwellen) ist (incl. Vor- und Nachteile) vollkommen identisch.
Gruß -
der Fenderizer