Der Deutsche Musikwettbewerb 2002 in Bonn
Der diesjährige Deutsche Musikwettbewerb, organisiert vom Deutschen Musikrat, fand vom 17.-24. März in Bonn statt. Dieser nationale Wettbewerb, der sich an junge, professionell ausgebildete Musiker richtet, findet alljährlich statt und ist im Wechsel für Solisten und – wie auch in diesem Jahr – für Kammermusikensembles ausgeschrieben. So fanden sich im Frühjahr dieses Jahres in der Bonner Beethovenhalle Teilnehmer in den Kategorien Klaviertrio, Streichquartett, Duo Violoncello/Klavier, sowie Duo Klarinette/Klavier wieder (Kategorie A). Kategorie B umfasste Klavierduos in jeder denkbar möglichen Form (Leider gab es hier nur ein teilnehmendes Ensemble...). Kategorie C widmete sich den Ensembles in freier Besetzung – hier nahm ich mit meinem Klarinettentrio (Klar/Vc/Klav), dem sog. BOVIARTrio teil – Kategorie D war Ensembles für alte Musik zugedacht, und Kategorie E waren schließlich die „Vokalsolistenensembles“. Insgesamt konnte der Wettbewerb knapp 30 Anmeldungen verzeichnen – ich hatte ursprünglich einen größeren „Ansturm“ erwartet. Insbesondere, was Klavierkammermusik betrifft, hatte man ein trauriges Bild vor Augen: Nur 3 Klaviertrios haben teilgenommen, Klavierquartette haben sich gar keine angemeldet. Und auch bei den Ensembles in freier Besetzung war ich der einzige Pianist. Um so mehr Duos fanden sich zum Glück in der Kategorie A wieder. An Streichquartetten nahmen letztendlich nur zwei (!) Ensembles teil.
Ein breites Spektrum an kammermusikalischen Formationen... Wie schafft man es, das alles unter einen Hut zu bringen? Ob dies überhaupt möglich ist, stellt eine Streitfrage an sich dar. M. E. hat die Wettbewerbsorganisation jedoch die bestmögliche Lösung gefunden: Der Wettbewerb besteht aus drei Runden. Je nach Kategorie war das jeweilige Repertoire zum Teil vorgeschrieben, festgesetzt war jedoch für alle Teilnehmer eine zeitliche Beschränkung. So war die erste Runde auf 20min, die zweite auf 30 und schließlich die letzte Runde auf 40min festgelegt worden. Die ersten beiden Runden fanden in den oben aufgeführten Kategorien jeweils intern statt und wurden von einer entsprechenden Fachjury bewertet, die je nach Kategorie fünf bis neun Juroren umfasste. Nach jeder Runde schied mal eine große, mal eine kleinere Anzahl der teilnehmenden Ensembles jeder Kategorie aus. Von den drei Klaviertrios überstand leider keines die zweite Runde, wohingegen alle teilnehmenden Vokalsolistenensembles ins Finale gelangten. Wer die letzte Runde schließlich erreichte, brachte seine Stücke vor der Gesamtjury zu Gehör – ein „Raubtierhaufen“ von gut 20 Mitgliedern, bestehend aus Professoren deutscher Musikhochschulen oder aus Solisten international anerkannter Orchester. Und diese Gesamtjury sollte dann nach ihrem Ermessen Preise und Stipendien an die übriggebliebenen Wettbewerbsteilnehmer verteilen. Und das tat sie (zum Glück) auch. Zweimal wurde der sogenannte Preis des Deutschen Musikwettbewerbs vergeben: An das „Kuss-Quartett“, ein vorwiegend deutsches Streichquartett, welches an der Juliard-School in New York studiert, sowie an die Vokalsolisten des „ensemble amarcord“. Jedes Ensemble-Mitglied erhielt etwa 3000-4000 Euro, die genauen Zahlen habe ich nicht mehr im Kopf. Neben diesen beiden Preisen wurden außerdem noch sieben Stipendien vergeben – dies bedeutet, daß jedes Ensemble-Mitglied 1000 Euro bekam. Neben unserem BOVIARTrio erhielten dies außerdem noch Das Duo Spuhler/Frucht (Klar/Klav.), das Duo Mona und Rica Bard (Klavierduo) „QNG 138“ (Ein Blockflöten-Ensemble!), „l’ornamento“ (Ensemble für Alte Musik) und außerdem noch zwei Gesangsensemble: „Vocal Essence“ und das „Calmus Ensemble“.
Tja... So sieht es aus! Nächstes Jahr ist der Wettbewerb für Solisten ausgeschrieben. Und findet wie schon 2001 in Berlin statt.
Um noch ein paar eigene Erfahrungen hinzuzufügen: Es ist immer ein Erlebnis, an so einem Wettbewerb teilzunehmen, egal, wie man abschneidet. Jeden zweiten Tag mussten wir spielen, in den Tagen dazwischen wurde geprobt, gefeiert... Bis der Körper sich meldet, daß das alles doch ein bisschen viel ist... So lag ich genau einen Tag lang direkt vor der entscheidenden dritten Runde mit einer schweren Magenverstimmung kaum ansprechbar im Bett... Na ja, irgendwie konnte ich mich dann doch noch auf der Bühne halten...

Gerhard Vielhaber