Hat die Oper noch Zukunft? - Thema anzeigen

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BeitragVerfasst: 12.08.2003 11:54 
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Admin ehrenhalber
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Registriert: 15.12.2001 19:40
Beiträge: 2427
Wohnort: Hamburg
Original geschrieben von Fiordiligi
Tja, da haben uns die Amerikaner mit ihrem Mäzenatentum doch was voraus... Es geht also auch ohne Subventionen, man braucht nur eine andere Art von Kulturförderung.
Ob diese Form erstrebenswert ist halte ich aber für sehr fraglich: denn diese Mäzene bestimmen natürlich auch, was-warum-wie gespielt wird. Da befindet man sich direkt in der nächsten Zwickmühle.

Gruß,
Matthias


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BeitragVerfasst: 12.08.2003 12:53 
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Zuschauer

Registriert: 02.07.2003 23:40
Beiträge: 23
Wohnort: Norddeutschland
Sicher, da hast Du recht.... Aber ein Mäzenatentum im klassischen Sinne gibt es leider nicht mehr. Amis-System erstrebenswert hin oder her - ein neues System brauchen wir jedenfalls auch.

Gruß,
Fiordiligi


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BeitragVerfasst: 12.08.2003 21:05 
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Registriert: 23.02.2002 17:27
Beiträge: 647
Wohnort: Mannheim
also zwinkernd

Ich geh gern und viel in die Oper, sowie ich Geld und Zeit dafür aufbringen kann, sitz ich drin!!!

Eintrittsgelder sind kein Hinderungsgrund, um nicht in die Oper zu gehen, wie vielleicht der ein oder andere gesehen hat, kommt man in Mannheim als Student für 5€ rein, als Normalmensch dann eben für 10! Für´s Kino gibt man ja auch bald soviel aus! (Ich weiß leider nich, wie es damit in den anderen Opernhäusern und Theatern aussieht).

Gottseidank hab ich jetzt ein Auto, da komm ich auch endlich heim, wenn ich hingehe: Mit dem Zug ist das unmöglich. Wir wären mit unseren Klassen und Kursen bestimmt viel öfters in der Oper oder im Theater gewesen, wenn wir nicht immer einen teuren Bus hätten mieten müssen!!!! DANN ist das Eintrittsgeld nämlich wirklich zu hoch!

Andere dafür begeistern kann man meines Erachtens auch nur, wenn man die Leute eben reinschleift! Sich im Unterricht eine Inszenierung mit einem flimmernden und kreischenden Fernseher anzusehen, muß einen ja verkraulen!
Als wir mit meinem Musikkurs hingefahren sind, war das für die meisten das erste MAl, daß sie in der Oper waren! Allen hat es gefallen!

_________________
breit grinsend http://www.violinduo.de Gib maln a, kriegst gleich wieder


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BeitragVerfasst: 12.08.2003 22:02 
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Amtlich unterwegs

Registriert: 31.12.2001 23:09
Beiträge: 573
Original geschrieben von matthias

Ich warte auf den Tag, an dem sich die ersten lauten Stimmen rühren werden, ob man das Geld, was in die hiesigen Theater fliesst, nicht "sinnvoller" einsetzen könne, da ja ohnehin kein Geld für irgendwas mehr da sei.



Das Argument des "sinnvolleren Einsatzes" wird in unserer Provinz (ist auch in negativer Bedeutung eine) schon lange selbst für die Kreismusikschule gebraucht.Ein Bürgermeisterbewerber z.B.warb um Stimmen,indem er großspurig und lauthals verkündete,für die Kultur keinen Cent auszugeben,dafür alles für Wirtschaftsförderung usw.Eine Musikschule sei unnötig.

Noch scheiterte dieser Banause,auch wegen der Anwesenheit von chemischer Industrie und einiger ihrer Manager,für die Kultur,bes.musikalische,zum Establishment gehört (und die dafür die nötigen finanziellen Mittel bereitstellen).Wir dürfen also immerhin noch das Schleswig-Holstein Musik-Festival in zwei Konzerten genießen.Ab und zu mal von einer Tourneebühne eine Oper in naiv-folkloristischer Form,weil etwas anderes hier ohnehin nicht akzeptiert wird.

"Die ersten lauten Stimmen" hat man meines Wissens schon bei der Wahl eines Hamburger Senators einer gewissen "rechten" Partei von eben diesem Herrn vernommen.Und nicht wenige meiner Bekannten stimmen mit ihm überein,ohne "rechts" zu sein.

Was die Oper betrifft,so hoffe ich auf die Richtigkeit des Sprichwortes:Totgesagte leben länger.Auch glaube ich,daß es für einige Opernsparten noch eine große Lobby gibt (ob aus künstlerischen oder anderen Gründen sei dahingestellt);die Wagnerianer z.B. werden sich so schnell nicht kampflos verabschieden.Wagner ist ja für Manche so was wie eine Weltanschauung und dafür gibt „man“ in gewissen Politkreisen auch Subventionen.

Ja,ich fürchte auch,daß immer mehr (Opern)Theaterhäuser fusionieren oder schließen werden (müssen).Selbst in Städten wie Berlin ist das so,erst recht in armen Regionen wie z.B.in Mecklenburg-Vorpommern.

Was soll man schon groß dagegen sagen oder machen können!? Es ist schwer heute,gegen die riesige – ich stehe dazu,sie so zu nennen - Unkultur anzukommen.

Susanna


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 Betreff des Beitrags: Mäzententum
BeitragVerfasst: 28.09.2003 16:45 
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gerade frisch dabei

Registriert: 28.09.2003 12:49
Beiträge: 3
Wohnort: München
Original geschrieben von Fiordiligi
Tja, da haben uns die Amerikaner mit ihrem Mäzenatentum doch was voraus... Es geht also auch ohne Subventionen, man braucht nur eine andere Art von Kulturförderung.


Mäzene gibt es auch bei uns, nur spenden die meisten lieber für Bilder oder Statuen. Sowas kann man länger vorzeigen. "s" Eine Oper oder ein Konzert ist schnell vorbei.zwinkernd

_________________
Mit dem nackten Körper stets den Begriff der Erotik zu verbinden, das ist ungefähr so intelligent, wie beim Mund stets ans Essen zu denken

(Kurt Tucholsky)


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 Betreff des Beitrags:
BeitragVerfasst: 22.12.2003 14:08 
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Zuschauer

Registriert: 22.12.2003 13:39
Beiträge: 14
Wohnort: Leipzig
Hat die Oper noch Zukunft...

Eine gute Frage, weil diese Frage auch meine Zukunft bedeutet.
Ich bin Gesangsstudent aus Leipzig und in 1 1/2 Jahren werde ich nach meinem Examen in die freie Wildbahn entlassen, und schaue einer mehr als ungewissen Zukunft ins Auge.

Ich könnte die Schotten dicht machen und sagen: Ja - es gibt genug Leute die nicht genug bekommen können von Zar und Zimmermann, Zauberflöte und Hänsel und Gretel.
Allerdings wenn ich die Schotten aufmache, und sehe, wie die Menschen vor allem in diese Opern rammeln, die irgendwann auch der Abonent nicht mehr sehen kann, frage ich mich doch, ob die Musikgeschichte nicht wesentlich mehr auf die Beine gestellt hat, als ständig diese "Repertoire-Opern" (Die drei sind nur mal stellvertretend für einige andere Kassenschlager genannt.)

Wenn nun mal ein Regisseur daherkommt und die 495043. Auflage der Zauberflöte inszeniert - was bleibt ihm dann?
Originalgetreue Kostümschlacht oder Neuinterpretation. Eine Geschichte, wie sie in der Zauberflöte zB erzählt wird, ist, auf's Grobe reduziert, ja relativ zeitlos, was steht dem also im Wege Papageno auch mal als 50er Jahre Dressman auftreten zu lassen. Oder die Königin der Nacht als Angela Merkel (bloß rumgesponnen... breit grinsend )
Ich langweile mich zumindest bärisch, wenn alte Geschichten im alten Kostüm daherkommen und alles einfach antiquiert und verstaubt wirkt. Sicher kann man es auch zu weit treiben mit dem Modernisierungswahn aber sind wir doch mal ehrlich.
Zu Händels Zeiten standen die Sänger auf der Bühne, sangen und gingen ab - gottseidank kam irgendwer mal auf die Idee, die Leute auf der Bühne agieren zu lassen.
Was wenn sich alle Welt dagegen aufgelehnt hätte?
Dann hätten wir heute immer noch konzertante Aufführungen mit Bühnenbild - warum nicht also auch mal einen kleinen Schritt nach vorn und weg von diesem Heile-Welt-Kostümschlachttralala.

Und genau da liegt der Hase im Pfeffer. Wie? Denn die Geschichten, die vielen Opern zu Grunde liegen, sind doch heute relativ belanglos, veraltet. Die Musik (de facto) auch - man muss schließlich und letztendlich, versuchen, Handlungen ins Heute zu verlegen, den wen interessiert das Alte Ägypten mit seinen Göttern oder Intrigen am Hofe von irgendwelchen Grafen. Ständegesellschaft von vor 200 Jahren ringt uns doch ein Gähnen ab, aber ein Konflikt zB zwischen Arbeitslosen und Großindustriellen nciht.

Sicher wird man immer gezwungen sein, in dem FAll ein Patchwork zwischen alter Geschichte und neuer Interpretation zu wirken, aber, und das macht Oper meines Erachtens in den meisten Fällen nicht, Theater ist doch auch zum Provozieren da.
Nicht nur zum Provozieren von Emotionen sondern auch zum Darüber Nachdenken provozieren. Und dieses Provozieren zu verdammen heißt für mich auch: Stagnation zu fordern.

Und wenn ich mir so die ganze zeitgenössische Oper anschaue, wird's doch schonmal interessanter - allein deshalb, weil halbwegs aktuelle Themen verwendet oder zumindest alte Themen auch aktuell verwurstet werden. Doch wer will diese Musik schon hören? Sie strengt selbst eingefleischte Opernliebhaber an, und zieht erst recht kein Publikum.
Das aber ist nicht den Komponisten vorzuwerfen, den jede Zeit in der Geschichte hatte ihre Sprache, sondern unserer Zeit.
Durch massenmediale Verbreitung 100er von Sprachen (Musikstilen) und die Möglichkeit immer und ständig Musik dudeln zu lassen, wird unser Ohr doch entwöhnt, verflacht. Das Musical zum Beispiel ist in meinen Augen nur ein anbiedern an den Breitengeschmack entwöhnter Musikleichen.

Grade da will ich mir, der ich mich bald entscheiden muss, welchen Weg ich gehe, zum ZIel machen, in die zeitgenössische Oper zu gelangen. Man hat mich einmal gefragt, was denn so meine Traumrolle wäre. Nach langen Nachdenken hab ich gesagt:
Wenn ich mal eine Oper uraufführen kann, die auch noch in 100 Jahren gespielt werden wird, dann habe ich meine Traumrolle gespielt.

Aber zum Thema: Ich denke die Oper wird nur dann sterben, wenn man noch jahrelang antik und unzeitgemäß schreibt, inszeniert und sein Publikum langweilt.
Andernfalls bin ich ncoh hoffnungsvoll...


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BeitragVerfasst: 22.12.2003 21:35 
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Trusted Junior

Registriert: 06.10.2002 14:43
Beiträge: 107
Wohnort: Bonn - Bad Godesberg
"in diese Opern rammeln" Verwirrt Verwirrt Verwirrt

Wolltest Du sagen "In diese(n) Opern rammeln" breit grinsend

_________________
Martin


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BeitragVerfasst: 22.12.2003 22:10 
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Zuschauer

Registriert: 22.12.2003 13:39
Beiträge: 14
Wohnort: Leipzig
UNglückliche deutsche Umgangssprache...

In etwas reinrammeln ist unschön in meinem Sprachraum für:
Einfach hirnlos zuhauf in irgendwas hineingehen und etwas konsumieren vergl. Alle Welt rammelt zu Aldi und kauft sich den neuen Rechner...

Alle Klarheiten beseitigt?^^ :rolleyes:


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BeitragVerfasst: 01.03.2004 23:55 
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Kistenschlepper

Registriert: 24.02.2004 19:20
Beiträge: 83
Hallo,

nur so als Idee: Im Bereich der Instrumentalmusik ist seit Jahren die historische, bzw. historisch informierte Aufführungspraxis sehr "gefragt" (Harnoncourt war da wohl einer der Vorreiter). Interessant finde ich, dass es bei Inszenierungen derzeit in die komplett entgegengesetzte Richtung zu gehen scheint: Was bei (dem Einsatz von historischen) Instrumenten und Spielweisen eine allseits begrüßte Neuerung ist, ist bei der Inszenierung "verstaubt"...

Ciao,
Andreas

_________________
www.andreaskrebs.de
Diskussion zum neuesten Stück - "Arkana" (vollständig):
http://www.klassik-musiker.de/musiker-f ... t9444.html


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BeitragVerfasst: 10.03.2004 00:24 
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Zuschauer

Registriert: 22.12.2003 13:39
Beiträge: 14
Wohnort: Leipzig
Seufz.


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