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Oh!! Ein interessantes und ungewöhnliches Vorhaben! Aus der Kombination mit der Orgel und mit dem Themenbereich "Kantate, Messe, Oratorium, Passion" schließe ich, dass diese Improvisation im kirchlichen Rahmen, eventuell mit geistlichem Aspekt stattfinden soll.
Ich schicke gleich voraus, dass ich zwar mit Improvisation Erfahrungen habe (instrumentale Improvisation, aber auch Chorimprovisation), aber nicht mit einer einzelnen Vokalstimme in Kombination mit einem Tasteninstrument.
Zuerst müsste man sich darüber im Klaren sein, auf welcher Stilebene man improvisieren möchte, d.h. im Renaissance-, im barocken, im klassischen oder im romantischen Stil unter Verwendung der für diese Stilepochen typischen Harmonik und Melodik. Das ist möglich, aber zu zweit ein nicht ganz leichtes Unterfangen. Es erfordert natürlich ein sicheres Stilgefühl und große Erfahrung im jeweiligen Stilbereich.
Vermutlich wird man hier auf Variationsformen zurückgreifen, d.h. melodische Variationen über eine gleichbleibende, wiederkehrende Harmoniefolge (ähnlich wie im Jazz), also in der Art einer Chaconne oder Passacaglia, wobei die melodische Führung abwechselnd bei der Orgel oder bei der Singstimme liegt. Die melodischen Linien können dem Harmonieverlauf angepasst und doch immer wieder neu gestaltet werden. Kurze und prägnante Textstellen (evtl. in lateinischer Sprache), die mehrmals wiederholt werden können, scheinen mir besser als lange, durchgängige Texte.
Oder man entscheidet sich für einen atonalen Stil, der harmonisch, melodisch und rhythmisch alle Freiheiten gestattet, weil es nicht das enge Korsett tonaler Harmonie- und Melodieführung gibt. Allerdings erfordert das viel Mut und Selbstbewusstsein und eine innere Spannungsentwicklung gemeinsam mit dem Improvisationspartner. Vereinbaren würde ich mit meinem Partner den dynamischen und den Spannungsverlauf, eventuelle eingeschobene Kontrastteile, vielleicht auch eine kurze Intervallfolge, aus dem man die melodischen Linien entwickeln könnte, und vor allem, wie man den Abschluss zu gestalten denkt. Atonale Melodieführung ist mit einer Singstimme allerdings nicht so einfach zu realisieren wie auf einem Instrument. Auch hier würde ich anfangs kurze lateinische Textstellen wählen, weil sie auf den Zuhörer vermutlich abstrakter wirken.
Meiner Erfahrung nach braucht auch eine Improvisation ein Warming-Up, d.h. während einer längeren Probier- und Experimentierphase kommen Ideen und festigen sich, und dann hat man irgendwann das musikalische Material im Kopf und steigert sich zur improvisatorischen Höchstleistung.
Leider gelingen Improvisationen nicht immer ganz nach Wunsch und vielleicht auch nicht gerade dann, wenn sie zu einem bestimmten Termin und dann noch öffentlich stattfinden soll. Das Risiko wechselnder Qualität ist immer gegeben. Eine Improvisation ist eben kein vorgefertigtes Produkt, und man muss sie letztlich einfach so akzeptieren, wie sie sich jeweils gerade entwickelt hat, auch wenn man im Nachhinein vielleicht nicht ganz so zufrieden damit war.
Das sind so meine Vorstellungen und Fantasien, und es würde mich selbst interessieren, einmal derartiges tatsächlich zu probieren.
Bin neugierig, was sich daraus entwickelt. Viel Freude und Einfallsreichtum wünscht
Albert
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