Improvisieren als Sänger - Thema anzeigen

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 Betreff des Beitrags: Improvisieren als Sänger
BeitragVerfasst: 22.02.2004 23:21 
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Zuschauer

Registriert: 02.01.2004 23:41
Beiträge: 12
Wohnort: Leipzig
Hallo zusammen,

ich erarbeite mit meinem Orgelpartner zusammen gerade ein neues Programm. Wir wollen einen Teil davon der Improvisation widmen, mal was anderes machen. Bekannt ist ja, auf einem Tasteninstrument zu improvisieren. Für mich als Sängerin ist das totales Neuland. Wer kann mir denn mal ein paar Tipps dazu geben? Ich würde mich freuen, einige Anregungen von Euch zu bekommen.

Gruß
Jubilate


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 Betreff des Beitrags:
BeitragVerfasst: 23.02.2004 08:53 
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Moderator
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Registriert: 28.10.2000 15:53
Beiträge: 577
Wohnort: Wieselburg (Niederösterreich)
Oh!!
Ein interessantes und ungewöhnliches Vorhaben!
Aus der Kombination mit der Orgel und mit dem Themenbereich "Kantate, Messe, Oratorium, Passion" schließe ich, dass diese Improvisation im kirchlichen Rahmen, eventuell mit geistlichem Aspekt stattfinden soll.

Ich schicke gleich voraus, dass ich zwar mit Improvisation Erfahrungen habe (instrumentale Improvisation, aber auch Chorimprovisation), aber nicht mit einer einzelnen Vokalstimme in Kombination mit einem Tasteninstrument.

Zuerst müsste man sich darüber im Klaren sein, auf welcher Stilebene man improvisieren möchte, d.h. im Renaissance-, im barocken, im klassischen oder im romantischen Stil unter Verwendung der für diese Stilepochen typischen Harmonik und Melodik. Das ist möglich, aber zu zweit ein nicht ganz leichtes Unterfangen. Es erfordert natürlich ein sicheres Stilgefühl und große Erfahrung im jeweiligen Stilbereich.

Vermutlich wird man hier auf Variationsformen zurückgreifen, d.h. melodische Variationen über eine gleichbleibende, wiederkehrende Harmoniefolge (ähnlich wie im Jazz), also in der Art einer Chaconne oder Passacaglia, wobei die melodische Führung abwechselnd bei der Orgel oder bei der Singstimme liegt. Die melodischen Linien können dem Harmonieverlauf angepasst und doch immer wieder neu gestaltet werden. Kurze und prägnante Textstellen (evtl. in lateinischer Sprache), die mehrmals wiederholt werden können, scheinen mir besser als lange, durchgängige Texte.

Oder man entscheidet sich für einen atonalen Stil, der harmonisch, melodisch und rhythmisch alle Freiheiten gestattet, weil es nicht das enge Korsett tonaler Harmonie- und Melodieführung gibt. Allerdings erfordert das viel Mut und Selbstbewusstsein und eine innere Spannungsentwicklung gemeinsam mit dem Improvisationspartner. Vereinbaren würde ich mit meinem Partner den dynamischen und den Spannungsverlauf, eventuelle eingeschobene Kontrastteile, vielleicht auch eine kurze Intervallfolge, aus dem man die melodischen Linien entwickeln könnte, und vor allem, wie man den Abschluss zu gestalten denkt. Atonale Melodieführung ist mit einer Singstimme allerdings nicht so einfach zu realisieren wie auf einem Instrument. Auch hier würde ich anfangs kurze lateinische Textstellen wählen, weil sie auf den Zuhörer vermutlich abstrakter wirken.

Meiner Erfahrung nach braucht auch eine Improvisation ein Warming-Up, d.h. während einer längeren Probier- und Experimentierphase kommen Ideen und festigen sich, und dann hat man irgendwann das musikalische Material im Kopf und steigert sich zur improvisatorischen Höchstleistung.

Leider gelingen Improvisationen nicht immer ganz nach Wunsch und vielleicht auch nicht gerade dann, wenn sie zu einem bestimmten Termin und dann noch öffentlich stattfinden soll. Das Risiko wechselnder Qualität ist immer gegeben. Eine Improvisation ist eben kein vorgefertigtes Produkt, und man muss sie letztlich einfach so akzeptieren, wie sie sich jeweils gerade entwickelt hat, auch wenn man im Nachhinein vielleicht nicht ganz so zufrieden damit war.

Das sind so meine Vorstellungen und Fantasien, und es würde mich selbst interessieren, einmal derartiges tatsächlich zu probieren.

Bin neugierig, was sich daraus entwickelt.
Viel Freude und Einfallsreichtum wünscht

Albert


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 Betreff des Beitrags:
BeitragVerfasst: 24.02.2004 11:49 
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Trusted Junior

Registriert: 23.09.2002 21:28
Beiträge: 145
Das geht super mit solchen Improvistationen. Selbst Hape Kerkeling hat das schon mal gemacht "Der Wolf und das Schaf hurz, hurz, hurz". Alle Konzertbesucher fanden das sehr echt. Sowas ist vielleicht nicht mal so schwierig.

Viele Grüße
vocede

_________________
http://www.voce.de


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 Betreff des Beitrags:
BeitragVerfasst: 16.03.2004 22:19 
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Zuschauer

Registriert: 02.01.2004 23:41
Beiträge: 12
Wohnort: Leipzig
Hallo Albert,

nun will ich endlich mal antworten.
Danke für Deinen ausführlichen Beitrag und Deine vielen guten Tipps. Das durchdenke ich mir jetzt erst mal.
Ja, das ist richtig. Wir werden in einem kirchenmusikalischen Konzert improvisieren.
Zum Stil: Wir wollen ungefähr 4 Stücke (Gesangbuchlieder) improvisieren. Ich hatte nun gedacht, man könnte jedem Lied einen anderen Stil geben?
Wir sind uns schon darüber einig, dass wir uns einen "Fahrplan" machen müssen. Mein Orgelpartner ist auf dem Gebiet der Improvisation recht fit. Für mich ist es eben etwas ganz Neues. Aber warum nicht mal neue Wege gehen!
Dass Improvisation ein Warming up braucht, leuchtet mir ein. Wir werden bald mit der Arbeit beginnen.

Gruß
Jubilate


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 Betreff des Beitrags:
BeitragVerfasst: 07.09.2005 17:07 
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gerade frisch dabei

Registriert: 07.09.2005 16:57
Beiträge: 3
Hallo, Albert und alle zusammen, bin heute neu hier hinzugestossen (google stichwort "chorimprovisation")

Kurzvorstellung: bin 36 und Chorleiter.

Vielleicht kann mir hier jemand Literaturempfehlungen zu dem Thema Chorimprovisation geben? Würde mich gern weiterbilden.

danke im voraus! grüsse - christian


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