Mikrofon-Wahl und Verstärkung eines Vocal-Ensembles - Thema anzeigen

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BeitragVerfasst: 18.02.2009 01:06 
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Beiträge: 4
Wie sieht es denn aus mit den Monitoren (wie gesagt mir fehlt noch viel wissen und praktische Erfahrung): Diese stehen ja meistens gleich nahe an den Mikros, ob kleine oder grosse Bühne. Gibt es da nicht sofort Rückkoppelung wenn man zu viele Miks hat?
Grüsse


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BeitragVerfasst: 18.02.2009 07:23 
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Moin,

nickster hat geschrieben:Wie sieht es denn aus mit den Monitoren (wie gesagt mir fehlt noch viel wissen und praktische Erfahrung): Diese stehen ja meistens gleich nahe an den Mikros, ob kleine oder grosse Bühne. Gibt es da nicht sofort Rückkoppelung wenn man zu viele Miks hat?
Grüsse

erstmal: sehr nett, daß Du Dich nach dieser kontroversen Diskussion Deiner Anfrage nochmal meldest, Danke!

Zu Deiner zitierten Frage: Nein, man hat die Rückkopplungen ja nicht wegen der Zahl der Mikrofone, sondern weil der Lautstärke-Unterschied des Schalls der Quellen/Stimmen und dem verstärkten Schall aus den Monitor/Lautsprechern am Mikrofon zu gering ist. Es wurde, aus anderen Gründen nicht zu unrecht, dazu später, vorgeschlagen jeder Stimm>>gruppe<< ein Mikrofon zu geben. Das sieht dann bei Euch vermutlich so aus, daß jeweils Drei in Richtung eines Mikrofones singen. Da dieses Mikrofon, auch zur Feedbackvermeidung eine nierenförmige Aufnahmecharakteristik/Richtwirkung aufweisen sollte, ist der Winkelbereich aus dem ein solches Mikrofon halbwegs gleichmäßig Schall empfängt auf etwa 60° begrenzt. Wenn die SängerInnen nicht völlig verrenkt ihre Köpfe zusammenstecken ergibt das einen Mikrofonabstand von mindestens 100cm, Körperkontakt Schulter an Schulter. Geht man dennoch näher ran ist der/die mittlere Sängerin am lautesten und klingt zudem wesentlich spitzer.
Benutzt Ihr nun für jede Stimme ein Mikrofon können alle bis auf 0cm ans Mikrofon rangehen. Spätestens dann ist zumindest feedbacktechnisch jede Gefahr gebannt. In dieser Betriebsweise hören sich zuweilen Rocksänger selbst über den Monitor singen, obwohl direkt hinter Ihnen "Das Tier" aus der Muppetshow trommelt, und im Saal Gehörschutz anzuraten ist. Entsprechende Einstellung vorrausgesetzt klingt selbst ein SM85 für Jeden viel besser als die Version mit wenigen Mikrofonen, weil:
Es gibt noch die Richtwirkung von Lautsprechern: Im Hochtonbereich stark nach vorne gerichtet, im Tieftonbereich, der für Wärme in den Stimmen sorgt eher ringsum. Dazu kommt die Eigenheit eines Saals mehr Höhen als Grundton zu dämpfen. Das führt dazu, daß man bei großen Mikrofonabständen wegen der Feedbacks zuerst den Grundtonbereich fürs Publikum zurücknehmen muß. Die Stimmen klingen dann dünn und scharf.

Warum wurde aber von Anderen die Abnahme mit weniger Mikrofonen vorgeschlagen? Bei geringen Mikrofonabständen gibt es ein Problem im menschlich künstlerischen Bereich. Ob man nun ein Mikrofon mit 100cm oder 120cm ansingt - die Lautstärke ändert sich wenig. Die gleichen 20cm, von 10cm auf 30cm ändern die Lautstärke deutlich, und bei Nierenmikrofonen zusätzlich den Klang. Wenn man das regelmäßig zusammen übt, das Singen nahe am Mikrofon, kann man das recht gut künstlerisch einsetzen, wenn nicht ist man bei der Arbeit am Mischpult verloren. Wenn auch aus aus anderen Gründen, genauso verloren wie mit einem Mikro je drei SängerInnen...

Ein Problem, der Nahbesprechungseffekt von Nierenmikrofonen, die mit einer Abstandsänderung im 30 cm Nahbereich den Klang ändern, lässt sich durch die Wahl eines anderen Mikrofontyps beheben. Milab LSR Omni:
http://www.milabmic.com/showproduct.asp?id=1127
Echt Kondensator, Kugelcharakteristik, kein Nahbesprechungseffekt (keine Bassanhebung bei 0cm), kein Nierentypisches Poppen. Ich habe damit SängerInnen in Proberäumen aufgenommen, live mit Rockband im selben Raum - Nichts vom Klang der Stimme hat auf die Situation hingedeutet, die Bearbeitung war einfach, weit einfacher als jemals mit einen Nierenmikro. Trotz Kugel ist es auch in der Bühnenpraxis nicht relevant leiser als Niere, dafür supereinfach zu beherrschen, am Mischpult wie als SängerIn. Meine Edelempfehlung...

Das hier tuts auch gut:
Clockaudio D550E - Dynamic Omni-Directional ENG Microphone
http://www.clockaudio.com/tabid/216/tab ... fault.aspx

Mit ein bisschen mehr Üben gehts aber auch mit jedem Mikrofon der SM58 Nieren-Klasse. Aber Bitte: keine bunte Mikrofonmischung, besser 12 Billige des gleichen Typs... ...dann lieber 12 Stück XM8500...

Ich muß leider von der Abnahme in (dreier) Gruppen abraten, weder zur Nutzung von Monitoren, noch in kleinen Säälen zur Publikumsbeschallung wird das funktionieren. Allerdings müsst Ihr nach meiner Empfehlung immer mit Monitor-Anlage üben, das lohnt sich sehr, wenn Ihr schon bevor Ihr einen mühsam organisierten Auftritt habt wisst: es wird gut klingen zwinkernd

Noch ein Tipp: Damit es auf der Bühne einfacher wird stellt alle Mikros am Mischpult genau gleich ein, und regelt die künstlerische Lautstärke einzelner SängerInnen über Eure geübten Abstände. Wenn Ihr Mikrofonabstände zwischen 10 und 30cm für Nierenmikrofone, und 0-20cm für Kugelmikrofone wählt klappt das auch mit zugeliehener Anlage, sowohl mit eigenem Mischpult und Euren Monitoren, als auch mit Komplettdienstleister. Immerhin könnt Ihr, wenn jeder ein Mikro hat überhaupt erst üben zwinkernd. Mit Gruppenabnahme im Proberaum nicht...

Mit dem Typ "Rampensau" muß man so oder so zurechtkommen.

Grüße


PS Max Raabe und Wise Guys => live erleben


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BeitragVerfasst: 18.02.2009 12:28 
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meiner erfahrung nach setzen mehr offene Mikrophone durchaus die Feedbackschwelle nach unten, vor allem im Tiefon/Grundtonbereich.....
Allerdings auch der Abstand von Schallquelle zum Mikrophon...
muss man eben in der Situation entscheiden was besser ist.....

_________________
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BeitragVerfasst: 18.02.2009 16:54 
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Moin,

@ Campfire: natürlich nimmt mit der Zahl der Mikrofone die mögliche Verstärkung jedes einzelnen Mikrofons etwas ab, in Theorie und Praxis gleichermaßen. Doch in diesem Fall ist der "Gewinn" vor Feedback, von vorher mindestens 100cm Mikrofonabstand mit wenigen Mikros, auf im Schnitt 15cm je SängerIn wesentlich größer.

Jede Verdopplung der NOM (Number Open Microfones) reduziert die mögliche Verstärkung des einzelnen Mikrofons um 3 dB (10log NOM)
In unserem Fall, 12 statt 4 Mikrofone, eine Verdreifachung, sind das 4,8dB.

Jede Halbierung des Abstandes bringt jedoch einen Gewinn von 6 dB je Mikrofon, da ich etwa eine Viertelung von 100 auf unter 30cm vorschlage also etwa 12dB Gewinn je Mikrofon. Bei 17cm schon 18dB.

Verbleibt also nach Abzug des Nachteils ein Vorteil meines Vorschlags von mindestens 7,2 dB, allerdings steigerungsfähig bis über 20 dB, wenn die leisesten Stimmen nahe rangehen.

Zudem vervierfacht sich die RT_60 (Nachhallzeit) eines Saales mit Beschallung und Mikrofonen, wenn nicht mindestens 6 dB Abstand zur Feedbackgrenze eingehalten werden (können). Das heißt wenn man den (Monitor-)Master nicht testweise ohne Feedback um 6 dB hochschieben kann ist guter Klang nicht zu erwarten.

Grüße


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BeitragVerfasst: 18.02.2009 23:03 
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sehr schöne erklärung.....
Wollte nur das mit den mehr Mikros nur prinzipiell anmerken.....
Verbessern lässt sich der GBF mei mehreren Mikros manchmal wenn man bei einigen die Phase dreht ....

warum sich der klang ab -6db vor Feddback verhschechtert kann ich mir theoretisch grade nicht erklären, in der Praxis allerdings durchaus bestätigen (wobei das ja meist auch damit zusammenhängt dass man dann intensiver Filtern muss und weniger unter klang-als unter Feedbackgesichtspunkten EQt)

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BeitragVerfasst: 19.02.2009 05:06 
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Moin,

6dB unter Feedback wegen RT_60 Nachhallzeit. Ich erkläre es mit einer groben Vereinfachung. Die Beschallungsanlage mit ihren Mikrofonen und Lautsprechern arbeitet knapp am Feedback wie eine Anzahl Wände. So wie ein realer Raum frühe, und späte Reflexionen erzeugt macht das die Beschallung auch, zusätzlich im selben Raum und zusammen mit diesem. Nur daß die aufnehmenden und abstrahlenden "Wände" räumlich getrennt sind und zusätzlich "besondere" Flächenformen und Eigenschaften haben (Punkt/Kugelsegment, frequenzvariabel in Form und "Dämpfung", im Gegensatz zu mechanischen Reflektoren mit extremen Filterfunktionen, Groupdelay/Nachschwingern...Klirr...). Diese 6 dB lassen sich aus den Formeln zur Sprachverständlichkeit ableiten. Zur Arbeit reicht mir das Wissen, daß sich Theorie und Praxis gut decken. Diese 6 dB unter Feedback "unterbrechen" die Verbindung zwischen Schallaufnehmend und Schallabstrahlend, vereinfacht... . Von 6dB unter Feedback bis zur Feedbackgrenze nimmt nur noch die Lautstärke zu, die Deutlichkeit (Musik) oder Sprachverständlichkeit bleibt gleich. Der Effekt beginnt schon deutlich bei 10dB unter Feedback.

Filtern? uh, andermal zwinkernd

Das experimentelle "Umpolen" lohnt sich oft.

Grüße


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