Dean's heirs hat geschrieben:ich möchte gerne mal ein paar Meinungen einholen über diverse Reverb-Minen; nach Möglichkeit in Bezug auf Röhrenamps, falls da eine besondere Beziehung bestehen sollte.
das kommt darauf an, wie Du das mit den Beziehungen siehst. Die ersten Hall-Effekte für den breiten Massenmarkt gab es in den Fender-Verstärkern der frühen Sechziger, das waren damals natürlich noch alles Vollröhrenverstärker.
Fender hat die Halleinheit dann sogar separiert als Tube Reverb Unit angeboten. Diese Geräte sind auch heute immer noch das allgem. anerkannte Non-Plus-Ultra für schwer verhallte (cleane) Surf-Gitarrensounds. Die beinharten Fanatiker lassen i.d.R. nichts anderes gelten, ansonsten erfreuen sich noch andere Geräte wie z.B. EHX Holy Grail od. die Boss RV-Pedale einer größeren Anhängerschaft.
Ein Federhall erzeugt den Hall auf elektromechanische Weise. Im Gegenasatz dazu tun andere Geräte das auf rein elektronischer Basis, außerdem existiert noch die ganze Palette an (Multi-)Effektgeräten und Modellern, die den Hall auf digitaler Basis über Algorithmen erzeugen.
Die digitalen Algorithmen klingen i.d.R. sogar wesentlich
natürlicher als so ein Federhall-System, das allerdings wiederum mit einer ganz eigenen Klangfärbung aufwarten kann. Es gibt daher sogar modellierte Federhall-Algorithmen, die den digitalen Schaltungen das Klangverhalten eines Federhall-Systems beibringen sollen. Spezielle Effekte wie das mechanische Anstossen der Hall-Einheit (z.B. durch einen herzhaften Tritt gegen das Gehäuse) beherrschen diese Algorithmen aber i.d.R. nicht wirklich od. zumindest nicht klanglich überzeugend.
Daher wäre IMHO erst einmal zu klären, wozu Du den Hall einsetzen willst: als Klangfärbung bzw. um der Gitarre bei einer Aufnahme etwas mehr Räumlichkeit zu verleihen (sog. Ambience) oder den Eindruck eines halligen Raums (die berühmte Kathedrale als Extrem-Beispiel) zu erzielen oder gar als gezielten Klang-Effekt, wie z.B. in der Surf-Musik üblich. Für die ersten beiden Varianten wäre dann der Charakter (z.B. natürlich, warm) als nächstes Kriterium zu nennen.
Außerdem kann man sich bei Recording-Anwendung ggf. Gedanken darüber machen, ob das Hallgerät nur als reiner Gitarren-Effekt oder z.B. auch auf anderen Aufnahmespuren (z.B. Gesang, Drums) zum Einsatz kommen soll.
Ich denke, aus der geplanten Anwendung heraus ergeben sich ggf. schon diverse Vorgaben, die die Auswahl der in Frage kommenden Geräte schon ziemlich einschränken dürfte.
Gruß -
der Fenderizer