Nun schwirrt das Thema ja nun schon einige Tage durch diverse Foren. Hut ab vor demjenigen, wie hier zu lesen, wer sich an solch einem Projekt (ob Nachbau oder erweiterte Entwicklung) heranwagt. Man sollte bemüht sein, uns hier alle da mal auf dem Laufenden zu halten. Sowas ist nicht ohne!
Ich habe da mal eine alte Textkonfiguration aus vergangenen Tagen rausgesucht. Und ich hoffe, der Dave verzeiht mir, weil es notgedrungen ein lager Text werden wird. Ist aber eben nur für den, den es eben auch interessiert, ansonsten weiterklicken!
Problem
Bei einem feststehenden Magneten und beweglicher Spule sinkt die Ausnutzung der induktiven Energie mit wachsender Entfernung vom Magneten stark ab. Dadurch ist eine sehr genaue Führung der Spule nötig. Durch die gerade in tiefen Frequenzen notwenige starke Auslenkung in Verbindung mit der entsprechenden Beschleunigung treten in Grenzbereichen sowohl mechanische Probleme - Taumelbewegungen der Schwingspule als auch elektrische Probleme - Gleichspannungssituationen auf. Weiterhin ist der Leistungsverlust bei erhöhter Temperatur eines Magneten zu berücksichtigen, so daß physikalische Grenzen den Wirkungsgrad, das Verhältnis von elektrischer Energie und erzeugtem Schalldruck, begrenzen. Diese Vorgaben sind beim Servodrive unwichtig: Es handelt sich hierbei um zwei Membranen, die über einen Servomotor mit Übersetzung angetrieben werden. Eine normale Endstufe steuert den Motor, dessen Drehbewegung über das Getriebe in eine Hin- und Herbewegung umgewandelt wird. Der Vorteil dieses Verfahrens liegt im Erreichen höherer Lautsprecherauslenkungen und dem daraus resultierenden höheren Wirkungsgrad. Die Amplituden können sehr groß sein, weil die aufwendige Führung entfällt und die Membran so weit ausgelenkt werden kann, wie es die Elastizität der Einspannung erlaubt. Daher kann bei der Konstruktion derartiger Geräte der alleinige Schwerpunkt auf die Flexibilität gelegt werden. Dabei ist die
Mechanische Konstruktion
das eigendliche Geheimnis im Servodrive-Konzept. Hier spielt die Schaltung des Motors durch die analogen Endstufensignale eine wichtige Rolle. Der Motor verfügt über 25 Gruppen von sich überlappenden Wicklungen und vier Bürsten, die 100 Schaltungen pro Umdrehung erlauben. Er treibt zwei Paar von parallel zueinander verlaufenden Antriebsarmen gegenläufig an die mit den Membranen verbunden sind und rotiert mit 9000 Umdrehungen pro Minute. Das Audio-Signal, das dem Motor zugeführt wird, versetzt die Armpaare in Schwingungen, die durch einen Linear-Konverter in Hin- und Herbewegungen umgewandelt werden. Dieser Konverter arbeitet mit flachen Treibriemen die für Umdrehungen bis zu 100000 pro Minute ausgelegt sind und über eine Zugfestigkeit von 750 Pfund pro Zoll verfügen. Die Antriebsarme bewegen jeweils eine Membran, die wechselseitig aus- und eingetrieben wird. Dabei gelang es das Verhältnis von vorgegebener Membranfläche und bewegter Masse zu optimieren. Der Servodrive kann in Hörner oder direktabstrahlenden Boxen eingebaut werden. Dieses Kontruktionsprinzip hat mehrere Vorteile: Der Wirkungsgrad ist im Vergleich zu herkömmlichen Lautsprechern höher das Gewicht wegen der fehlenden schweren Magnete und der Größe der erforderlichen Gehäuse geringer.
Einfügung 2006: Man muß natürlich sagen, daß sich auch im konventionellen Lautsprecherbau (Chassis) in den letzten Jahren sehr viel getan hat.
In der Servodrive-Serie gibt es zwei Modelle, die "Basl Tech 7" und den "Contra Bass". Die Bass-Tech 7 hat zwei 15" Membranen und verträgt 400 Watt RMS Dauerlast oder 800 Watt RMS Peak und reproduziert Frequenzen von 28 bis 125 Hz. Der Leistungsverlust der bei herkönnlichen Speakern in Regionen von 3 dB rangiert, beträgt nach Werksangaben weniger als 1 dB nach fünf Minuten Vollast der maximale Schalldruck 134 dB, was natürlich für den Subbass-Bereich eine Menge Holz ist. Der Knaller im Programm heißt Contra Bass und hat nach Angaben der Entweckler eine recht ungewöhliche Geschichte zum Ursprung: Die Ingeneuere von Intersonics wurden von Wissenschaftlern der Cornell-Universität kontaktiert, die sich mit der Kommunikation afrikanischer Elefanten in Kenia beschäftigten. Diese Elefanten können sich mit Hilfe tiefstfrequenter Töne über Distanzen von sieben Kilometer verständigen. Die tiefen Frequenzen durchdringen dabei den dichten Dschungen viel besser als höherfrequente Schwingungen. Nach mehreren fehlgeschlagenen Versuchen mit normalen Lautsprechern entwickeltenn die Intersonics-Ingeneieure nach dem motorischen Prinzip den vorgänger des Contra Bass, die Pachyderm 6. Nach einigen Weiterentwicklungen entstand der "Controa Bass Servodrive Subwoofer", ein wahrer Brummer mit einem Freuquenzgang von 14 Hz bis 125 Hz, der allerding nur 200 bzw. 500 Watt vertragen kann. Diese Angabe muß jedoch relativiert werden, da sie mit normalen Leistungangaben nur sehr bedingt verglichen werden kann. Die Box hat zwei aktive 15" und zwei passive 18" Radiatoren, die bei 16 Hz immer noch satte 114 dB raustun, genug um die Lieferanten aus dem Dschungel zu locken.
Gedankenanstoß:
Bei lesen muß man einiges relativieren, da dieses Statement mehr als 10 Jahre auf dem Buckel hat. Technisch jedoch auf dem aktuellen Stand ist.
Ich selbst habe BT7 im Einsatz und immer wieder der Zeit entsprechend (Budget) müssen sie auf dem Lager stehenbleiben. Auf der Veranstaltung könnte man darüber heulen.
Es ist kein Ersatz für konventionelle Lautsprecher, auch die Ansteuerung über oder vom FOH sollte seperat bzw. unabhängig vom Master-PA links/rechts erfolgen. Zum Beispiel Aux oder Monobus. Bei normalen Bassystemen wird in der Regel z. B. am EQ oder DSP ein Lowcut gesetzt (Schutz vorm Abrauchen der Pappen) Dies ist bei Servos nicht nötig, sondern glatt das Gegenteil. Dafür sind weitere Geräte zur Erzeugung von Subpegel oder eben Oktave nach unten schwer von Vorteil um das Potential von Servos überhaupt auszureizen. Vielleicht kann ja der Max / Berlin (wenn er sich hier rumtreibt) auch noch was dazu sagen. Da stehen die Dinger auch im Regal rum. Was aus den Dingern von Abele Stuttgart geworden ist, weiß ich auch nicht. So nun mache ich erst einmal Schluß. Das Keyboard will nicht mehr!
Gerald1