Stromversorgung der Bühne - Thema anzeigen

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 Betreff des Beitrags: Stromversorgung der Bühne
BeitragVerfasst: 03.02.2005 08:50 
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Meister der Töne
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Registriert: 05.01.2005 15:49
Beiträge: 2217
Wohnort: FOH
Wie habt ihr das in der Praxis gelöst ?

Ist es zweckmäßig einen "Zählerkasten mit vielen Steckdosen, Sicherungen dazu und Hauptschalter "alles aus!" mitzuführen, wenn ja, gibts das fertig oder verwendet ihr eine Anfertigung vom Elektriker die das ordentlich verteilt ?
Wenn ja, enthält der Verteilkasten auch Schutzmaßnahmen gegen Überspannungen aus dem Netz, FI-Schalter (Fehlerstromschutzauslöser) ?
Habt ihr eine visuelle Anzeige für ungleichmäßige Lastverteilung auf den 3 Stromphasen und eine Anzeige für den Strom der läuft, zum beurteilen ob die sicherungen das Konzert halten oder ob die Möglichkeit besteht das bei Spitzen eine rausfliegt ?

Danke für kompetente Antworten.

Manuela


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BeitragVerfasst: 03.02.2005 18:04 
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Registriert: 18.01.2005 01:24
Beiträge: 2155
Wohnort: Kassel / Knüllwald
Nun, meine Verteilungen haben keinen Hauptschalter und sind ausnahmslos extra gebaut worden.

Fi-Schutzschalter ist eine Sache, wo sich Theorie und Praxis unterscheiden. Denn wenn ich mich recht erinnere, ist dieser Vorschrift. Andererseits ist es nicht gestattet mehrere FI-Schalter hintereinander zu schalten. Das würde aber passieren, wenn im eigenen Verteiler ein FI sitzt und in der Zelt-, Hallen-, oder Hausverteilung noch einer (wo auch meistens wirklich einer sitzt...).

Ein Automat fliegt bei Spitzen nicht, wenn doch, ist da grundsätzlich schon was falsch. Ein 16A-Automat (ein solcher hat immer zwei verschiedene Absicherungen) fliegt bei einem Dauerstrom von 16A (thermische Sicherung), aber lässt (je nach Typ) Spitzen von mindestens 25A zu (die gebräuchlichen eher ca. 40A, Spitzenstromsicherung). Wer das reißt, hat andere Probleme.
Schraubsicherungen sind da genauso. Die haben nur die thermische Komponente. Eine übliche 35A Schraubsicherung macht auch eine Stunde lang 45A mit, aber 80A eben nur eine halbe Minute....
Von daher habe ich keine Anzeigen drin, manchmal wünsche ich mir aber doch welche.... mit Spitzenstromanzeige, um dem zuständigen Schwachstromelektriker zu zeigen, warum er so ein dickes Kabel verlegen sollte (aber eigentlich gar nicht wollte)...


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BeitragVerfasst: 03.02.2005 20:27 
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Registriert: 31.01.2005 10:51
Beiträge: 35
Wohnort: Leipzig
Für Abgänge <= 32A ist ein 30mA RCD Vorschrift(Personenschutz).
Und schon sind wir beim Problem, denn in den meisten 32A Unterverteilungen sind RCDs eingebaut. (30mA)
Verboten ist dies allerdings nicht, im Fehlerfall muss man dann eben zwei RCDs wieder einschalten. (Es gibt auch selektive RCDs, diese sind aber erst ab 100mA gebräuchlich)

Zu den Sicherungen:
Laut Vorschrift, darf die Sicherung den 1,13fachen Nennstrom dauerhaft halten, muss aber beim 1,45fach Nennstrom nach 1h Stunde auslösen.

Zur Dimensionierung:
Bei Licht wird halt gerechnet, so das es passt (auch bei Full-On), da der Stromverbrauch bei Lampen ja relativ genau Bestimmbar ist.
Beim Ton dimensioniere ich nach Erfahrungswerten, je nach VA 1*16A für die Backline, 1*16A FOH und je 5-6kW Ton 1*16A.
Eine unsymmetrische Belastung des Drehstromnetzes lässt sich in der VA-Branche nicht ausschliessen.

Viele Firmen bieten fertige Verteiler, speziell auf die Veranstaltungsbranche zugeschnitten, z.b. Stromstoss oder indu.

In meiner UV wird bei allen drei Phasen Spannung und Strom überwacht.
Schutzschaltungen gegen Netzfehler gibt es allerdings nicht, da überprüfe ich vor Inbetriebnahme mittels Duspol mit Lastzuschaltung.
Wichtig ist, um z.B. das fehlen des Neutralleiters zu detektieren, die Phasen unterschiedlich zu belasten, denn sonst ensteht durch die drei Voltmeter ein Sternpunkt und alle zeigen das Richtige an.
Es gibt allerdings von Müller/Ziegler eine Drehstromnetzüberwachung für Hutschienen-Montage, sowas könnte man beim Neubau eines Verteilers mit einplanen (lassen).

Gruss Thomas


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BeitragVerfasst: 03.02.2005 23:54 
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Registriert: 18.01.2005 01:24
Beiträge: 2155
Wohnort: Kassel / Knüllwald
Zu den Sicherungen: Das gilt für Schraubsicherungen im Hausgebrauch. Industriell gibts da noch andere Varianten (Was in unserer Branche üblich ist, weis ich aus dem Kopf nicht.... Dafür gibts ja Spezialisten Smile ). Bei Sicherungsautomaten kommts auf den Typ an (B, C etc.). Der Typ beschreibt u.a. die Auslösezeiten und einen Multiplikator für den Spitzenstromauslöser, also beim wievielfachem Nennstrom der Automat sofort auslöst.

Ganz klar ist natürlich die Dimensionierung bei Licht, wie bereits beschrieben. Natürlich kann man auch anders dimensionieren, muss dann aber genau wissen, dass es nie einen FullOn geben darf (Ist nicht so schön, weils immermal ein angenehmer Effekt ist).

Zum RCD/FI: Ab und an gabs aber unter gewissen Umständen Probleme bei kaskadierten FI-Schutzschaltern. Nur fällt mir einfach nicht mehr ein, wie das genau war.
In vielen Zelten wirds auch wirklich problematisch, wenn ein FI-Schalter in der Zeltverteilung sitzt. Manchmal fällt der bei höherer Belastung einfach so, weil Zelt und Umgebung leicht feucht, und Kriech je nach Belastung und PUFF. Dann heißt es meistens 'Die PA ist schuld, vorher war das nicht'. Natürlich hat die PA nichts mit den maroden Verteilungen und Leitungen zu tun.....


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BeitragVerfasst: 04.02.2005 11:57 
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Anfänger

Registriert: 31.01.2005 10:51
Beiträge: 35
Wohnort: Leipzig
Die von mir im obigen Beitrag geschriebenen Werte für Sicherungen(Leitungsschutzschalter) gelten für B, C und D Typen.
K-Typen habe nur den Vorteil, eines höheren elektromagnetischen Auslösestromes, der thermische Auslösestrom ist sogar geringer als bei B,C und D.

Zusammenfassung:
Die gebräuchlichen Leitungsschutzschalter haben eine elektromagnetische und eine thermische Auslösevorrichtung.
Bei B,C und D darf die Auslösezeit beim 1,13fachen Nennstrom über 1h liegen. Beim 1,45fachen Nennstrom, muss der LS nach max. 1h ausgelöst haben (thermische Auslösung)

Elektromagnetische Auslösung:
B darf bei 3fachem In länger als 0,1s halten, muss beim 5fachen In innerhalb 0,1s auslösen
C darf bei 5fachem In länger als 0,1s halten, muss beim 10fachen In innerhalb 0,1s auslösen
D darf bei 10fachem In länger als 0,1s halten, muss beim 20fachen In innerhalb 0,1s auslösen

Gruss Thomas


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BeitragVerfasst: 07.02.2005 23:02 
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Anfänger

Registriert: 12.01.2005 01:15
Beiträge: 38
Wohnort: Heilbronn
Hallo Manuela ,
zum Thema modile Stromversorgungen für Bühnentechnik gibt es einiges zu sagen. Die Fa. Caleidoscope um Robert Hohn aus Stuttgart lebt davon.
Bei allen Großveranstaltungen werden die 5 Adern eines Kabels einzeln in 20mm Dicken Kupferkabeln von der Hauptversorgung zum 1. Haupt-verteiler mittels Powerlock Steckverbinder verdrahtet . Wir reden hier von 400A Zuleitungen. Der Hauptverteiler hat dann einen oder mehrere NH Trenner für die Abgänge von 125A und 63A Starkstrom. Die Unterverteilungen mit 125A Eingang haben grundsetzlich NEOZED Schraubsicherungen für die Abgänge von 63A und 32A und außerdem sind hier 3 Voltmeter und 3 Ampermeter (digital) eingebaut. Wichtig bei allen Veranstaltungen ist die gleichmäßige Auslastung aller 3 Phasen. Hier werden im Live Betrieb die häufigsten Fehler gemacht.
Ab den 32A Unterverteilern werden ein Eingangs FI und Sicherung-sautomaten der Klasse C verwendet. Ab hier wid in CEE16A und in Schuko Strom aufgeteilt. Ab den 32A Unterverteiler ist die Anschaffung für jede Band zu empfehlen. Die Backline ;PA ; FOH und aller andere Kleinkram kann Übersichlich Versorgt werden und wenn mal eine Sicherung flegt , dann weis jeder wo er zu suchen hat . Für die Dimmer und die Moving Lights sollte man mit getrennter Unterverteilung und unbedingt mit einem FI im Eingang arbeiten. Ein Stromzähler ist sicher nicht notwendig , oder wollt ihr euren Strom beim Veranstalter bezahlen ?

Fertige Stromunterverteiler gibt es bei www.caleidoscope.de ; bei der Fa. Gerber www.indu-electric.com ; bei der Fa. Connex www.connex-online.de ; bei der Fa. HAMA www.hama-systemtechnik.de und vielen anderen die ich jetzt sicher nicht weiter aufzählen muß.

Ein Selbstbau ist wegen der CE Zulassung sicher nicht zu empfehlen. FI und Sicherungsautomaten brauchen eine bestimmte Kühlung , die durch die Dicke der Frontblende und sogar durch Lüftungsschlize ereicht wird. Damit will ich nur andeuten , daß es einiges an Vorkenntnisse bedarf wenn es um Stromverteilungen geht.

Ich hoffe Dir weitergeholfen zu haben .


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BeitragVerfasst: 08.02.2005 23:17 
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Semi-professional

Registriert: 14.09.2004 19:07
Beiträge: 446
Wohnort: Leipzig
Ein wirklich schönes Thema von der Manu und der Meister mit Powerlock macht es interessant. Diese Abhandlung von allen Threadern (gut) laß sich wie Öl und es läßt kaum Luft, dem etwas hinzuzufügen Angel .
Ich persönlich (man könnte ja auch selber bauen) lasse mir zuarbeiten von Indu und von Connex. Bin mir aber sicher, daß die Caleidoscope und andere aufgeführte vom VA Meister (es gibt ja bei Strom eigendlich keine Geheimnisse) das hätten genauso gut gekonnt. In der Regel wird dieses Thema sehr unterschätzt und führt dann in der Folge zu diversen Problemen (Streß), welcher zu vermeiden ist, da davon reichlich und genügend und ständig überbleibt.
Gerald1


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BeitragVerfasst: 08.05.2005 15:02 
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gerade frisch dabei

Registriert: 18.02.2005 16:41
Beiträge: 5
Wohnort: Ensdorf / Saar
Meister Veranstaltungstec hat geschrieben:Ein Selbstbau ist wegen der CE Zulassung sicher nicht zu empfehlen.



Nur um das nochmal klar zu stellen: CE ist kein Sicherheitskennzeichen, das über die ordnungsgemäße Außführung beziehungsweise über sicherheitsvorkehrungen zum Personenschutz auskunft gibt.

Das CE kennzeichen sagt lediglich aus, dass das Gerät den Europäischen EMV Richtlinen genügt. Jeder Hersteller oder Importeur (Erstinverkerbringender in der EU) kann das einfach selbst draufpappen. Er braucht dafür keine einzige Messung zu machen. Wenn dann die Richlinien aber nicht eingehalten werden ist er dran.



Gruß


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 Betreff des Beitrags:
BeitragVerfasst: 21.06.2005 23:55 
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Trusted Junior
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Registriert: 13.11.2003 21:52
Beiträge: 112
Wohnort: bei Kassel
Alles sehr interessant, aber wie sieht es mit einer Isolationsmessung aus? Macht ihr das Regelmäßig?
Muß ein selbstgebauter Verteiler eigentlich irgendwie abgenommen werden, wie bei der Erstinstallation bei einem neuen Haus?

Gruß, Matze


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BeitragVerfasst: 22.06.2005 09:34 
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Moderator
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Registriert: 20.04.2006 07:17
Beiträge: 9153
Wohnort: Bretzfeld D.C.
matze hat geschrieben:Alles sehr interessant, aber wie sieht es mit einer Isolationsmessung aus? Macht ihr das Regelmäßig?
Muß ein selbstgebauter Verteiler eigentlich irgendwie abgenommen werden, wie bei der Erstinstallation bei einem neuen Haus?


Würde ich sehr empfehlen. Fakt ist, dass wenn wegen Deinem Selbstbau-Verteiler die Halle abfackelt, Du wahrscheinlich ein Problem hast.

Sowas kann ja auch nicht die Welt kosten...

Gruß, Dave


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