"aber für mich als Polen ist das kein echter Chopin"
ich denke, das Chopin (zufällig selbst auch Pole

) das anders gesehen hätte. er hätte die Sonate sonst wohl kaum im Konzert vorgestellt und 1840 veröffentlicht.
Schumann hat die Stücke auch scharf kritisiert, weil sie so revolutionär sind (z.B. bleibt der 4. Satz ohne singbare Melodie), aber Chopin bleibt es doch trotzdem, auch wenn du die Stücke nicht schön findest.
Ich persönlich empfinde nicht, dass die Form hier die Genialität einschränkt - aber gut, das ist meine persönliche Meinung.
ich denke, es ist (da es deine Meinung ist) auch vollkommen OK zu sagen, das du die Stücke nicht magst.
Ich frag mich nur, was dich als Polen qualifizierter als Chopin macht, darüber zu entscheiden, was von ihm sozusagen echt oder er selber ist und was nicht...
ich finde, sowas kann man über zweifelhafte Stücke ("Für mich sind Toccata und Fuge in d-Moll kein echter Bach.") sagen, wenn man es denn wirklich meint, aber nicht über das, was unwiderlegbar vom Komponisten kommt - Chopin hat eben seinen eigenen Weg in den Sonaten gesucht. Und selbst wenn das Werk zur Diskussion stünde, macht einen ja nicht die Nationalität zum absoluten Kenner der Musik, obwohl man durch den Background vielleicht die eine oder andere Wendung emotional besser einsortieren kann, sondern vor allem musikalische Kenntnis.
Und da muss ich sagen: Ich halte es immer für gefährlich, die Musik großer Komponisten in die Genie-streiche, den Rest und "schwächere Werke" einzuteilen. Diese Denkweise hat den frühen Sonaten Schuberts und den frühen Sinfonien Mozarts jahrzehntelangen Dornröschenschlaf beschert, weil man sich auf die "großen" Sachen konzentrierte.
die Sonate b-Moll läuft ja glücklicherweise nicht Gefahr, vergessen zu werden
was ist für dich echter Chopin? wo fängt der an und wo hört der auf? und solltest du dich nicht vorher mit einem Pariser Concierge beraten, was nun wirklich Chopin ist oder nicht?
liebe Grüße
Christoph